Diese App nennt deine Lieblings-Beauty-Produkte giftig – ist das wirklich seriös?
Kosmetikchemiker sagen: Die Yuka-App ist nicht so simpel, wie sie vorgibt.
Angesichts des Booms um Clean Beauty und der wachsenden Aufmerksamkeit für Inhaltsstoffe, suchen Beauty-Fans nach Möglichkeiten, sich über die Produkte zu informieren, die sie täglich verwenden. Infolgedessen hat TikTok Nutzer:innen dazu animiert, mit Scan-Apps wie Yuka tief in die INCI-Listen ihrer Lieblings-Beauty-Produkte einzutauchen. Für viele Beauty-Fans hat die Yuka-App jedoch nicht nur die Lust auf Neues gebremst — sie hat sie auch glauben lassen, dass ihre Holy-Grail-Produkte toxische Inhaltsstoffe enthalten.
Auf den ersten Blick wirkt Yukas Versprechen, schädliche Produkte aufzuspüren, ziemlich unkompliziert. Indem man einfach den Barcode scannt, vergibt die App eine Bewertung von 0 bis 100 — eine 0 steht für das Vorhandensein mehrerer bedenklicher Inhaltsstoffe, eine 100 dafür, dass keine Hochrisiko-Inhaltsstoffe enthalten sind. Allerdings haben einige TikToker:innen ihre gesamten Make-up und Hautpflege‑Routinen aus Produkten zusammengestellt, die die App als unbedenklich einstuft, während andere Beauty-Liebhaber:innen weiterhin skeptisch sind.
@adimalnick Ihr würdet euch wundern, wie schlecht manche dieser „cleanen“ Produkte sind!! @covergirl Wenn „clean“ draufsteht, sollte es auch clean sein – das ist aber nicht immer der Fall 🤷🏻♀️ #cleanbeauty #cvsbeauty #covergirlclean #covergirl #yukaapp #yukaappchallenge ♬ Originalton – Adi Asher
Für Kosmetikchemiker:innen sagen Yukas Bewertungen mehr über einzelne Inhaltsstoffe eines Produkts aus als über die gesamte Formulierung.Smitha Rao, Kosmetikchemikerin und CEO von Parëva Beauty, stellt fest, dass Yuka zur Bewertung auf Datenbanken für kosmetische Inhaltsstoffe zurückgreift. Sie weist jedoch auch darauf hin, dass Konzentrationen in Kosmetika selten offengelegt werden — was bedeutet, dass Yukas Einstufungen nicht vollständig zutreffend sind. „Apps wie Yuka vermitteln ein allgemeines Verständnis potenzieller Risiken, sie bewerten Inhaltsstoffe jedoch einzeln, ohne Konzentration, Formulierungskontext oder das Trägersystem zu berücksichtigen“, sagt sie gegenüber Hypebae.
Ähnlich: Gründerin von Acaderma Dr. Shuting Hu sagt, dass die Yuka-App beim Erkennen von Allergenen hilfreich sein kann — auch wenn sie Produkte nicht anhand ihrer konkreten Wirkstoffkonzentrationen analysieren kann. „Als Hautbiologin und Kosmetikchemikerin sehe ich diese Bewertungen als Screening-Tools, nicht als Urteile“, sagt sie. „Zwei Produkte können denselben als bedenklich eingestuften Inhaltsstoff enthalten, und dennoch kann eines völlig unbedenklich sein, weil Dosis, Trägersystem und Anwendungsmuster die Exposition klar unter den akzeptierten Sicherheitsgrenzen halten.“
@abbeyyung Denn Yuka ist keine verlässliche Quelle dafür, was „gut“ und „schlecht“ ist. Es gibt einen Grund, warum renommierte Dermatolog:innen und Kosmetikchemiker:innen Yuka nicht empfehlen: Es ist keine faire Darstellung tatsächlicher Wissenschaft. Glaubt mir nicht einfach … @Dr Dray | Dermatologist hat kürzlich ein Video gepostet (mit @Lab Muffin Beauty Science), das das Problem mit dieser App perfekt auf den Punkt bringt! #yuka #yukaapp #haircare #skincare ♬ Originalton – ⱼₐcₒb🇵🇱
Auch wenn es simpel scheint, Produkte als „gut“ oder „schlecht“ zu benoten, um schädliche Inhaltsstoffe zu vermeiden, sind Beauty-Formulierungen weitaus nuancierter. Für Biochemikerin Mollie Kelly Tufman, ist Yukas größtes Manko, dass die App Nutzer:innen dazu verleitet, den toxikologischen Prozess zu stark zu vereinfachen. „Es geht nicht nur darum, ob ein Inhaltsstoff vorhanden ist — sondern in welcher Menge, wie er angewendet wird und auf welcher Haut“, sagt sie.
Außerdem betont Tufman, dass eine niedrige App-Bewertung kein Grund ist, ein Produkt sofort in die Tonne zu werfen. Im Gegenteil: Wenn du weißt, dass ein Produkt bei dir gut funktioniert, gibt es keinen Grund, wegen einer schlechten Punktzahl in Panik zu geraten.„Das beste Produkt ist eines, das gut formuliert, stabil und auf deine Haut abgestimmt ist — nicht zwangsläufig das mit der perfekten App-Bewertung.“ Im Zweifel ist es am besten, bei echten Bedenken zu den Inhaltsstoffen eine Dermatologin oder einen Dermatologen zu konsultieren.
Auch wenn die Yuka-App ein hilfreicher Ausgangspunkt sein kann, um potenziell schädliche Inhaltsstoffe zu identifizieren, raten Beauty-Expert:innen davon ab, Produkte mit niedriger Bewertung sofort auszusortieren oder die App allein entscheiden zu lassen, welche Produkte du verwendest.„Kontext zählt weit mehr als ein rotes, gelbes oder grünes Icon“, ergänzt Tufman.
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