Wird Character Dressing unsere große Obsession 2026?
Getrieben von unserem Wunsch nach Community und Zugehörigkeit werden Subkulturen und Szenen zu unserer größten Inspirationsquelle.
Modetrendssind untrennbar mit Gefühlen verknüpft – und wenn uns dieses letzte Jahr voller Substacks und Running-Clubs eines gezeigt hat, dann, dass wir uns alle weiterhin nach Community und Zugehörigkeit sehnen. In der Mode signalisiert kaum etwas Zugehörigkeit stärker als eine Uniform, und je näher wir dem Start ins Jahr 2026 kommen, desto klarer zeichnet sich ab: Character Dressing steht ganz oben auf der Agenda.
Teilweise befeuert durch den Hype um Method Dressing (aka Jacob Elordis Frankenstein-Tour, Jenna Ortegas Wednesday-Staffel-zwei-Promo, und so ziemlich allem, was derzeit mit Marty Supreme zu tun hat), manifestiert sich diese Obsession mit bestimmten Subkulturen, Figuren und Uniformen in der Rückkehr von Matrosenmützen und Militärjacken – und ist inzwischen in Kampagnen und Kollektionen durchgesickert.
Zugegeben, Sailorcore war einst ein fester Bestandteil der JPG-DNA, und deshalb ist es nur logisch, dass es in Lantinks Debüt auftaucht – trotzdem werten wir es als klares Zeichen der Zeit.
Demnas erste Kollektion als neuer Creative Director von Guccientwickelte dieses Community-Mindset weiter, indem sie eine Reihe von Gucci-„Charakteren“ präsentierte, die jeweils durch ihre ganz eigene Ästhetik und ihre Interessen definiert sind. Unter dem Titel „La Famiglia“ versteht sich die Kollektion als „Studie über die ‚Gucciness‘ von Gucci“ und erforscht, wie sich die Marke als Mindset manifestiert – mit ganz eigenen Kund:innen und Subkulturen, zu denen man gehören kann.
Unsere immer präsenteren Online-Identitäten verstärken diese Verschiebung, denn die polarisierende Struktur von Apps wie TikTok und X sortiert uns in Gruppen wie „Fashion People“ oder „Non-Fashion People“ – Zugehörigkeit fast nur noch über unseren tatsächlichen Besitz. Je leichter es wird, online anhand deiner bevorzugten Stores, deiner Lieblingsbrands und deiner Suchhistorie deinen „Tribe“ zu finden, desto leichter kleidet man sich auch gleich – ob gewollt oder nicht.
Erweitert wurde diese Studie über Subkulturen von Matthieu Blazys jüngster Chanel-Kollektion und Runway-Show. Gezeigt als Teil der fortlaufenden Métiers-d’Art-Kollektion, versetzte die jüngste Show die Gäste in die New Yorker U-Bahn – und zeigte ebenfalls eine Vielzahl an Charakteren.
Vielleicht ist das ein unbewusstes Mittel, um gegen politische Spaltung und den wachsenden Hass in der Welt zu rebellieren. Vielleicht ist es aber auch einfach Ausdruck unseres Wunsches nach Zugehörigkeit – so oder so: Unsere Affinität zum Character Dressing wird uns, da sind wir uns sicher, im kommenden Jahr noch oft begegnen.



















