Wie The Read Room Buchclubs neu erfindet
Lern Kya Buller und Sophia Wild kennen – das Duo, das zeigt, dass Lesen sich auch nach großem Abend ausgehen kann.
Die literarische Welt kann sich mitunter etwas abgeschottet anfühlen: Auf der einen Seite steht die intensive, intellektuelle Auseinandersetzung eines klassischen Buchclubs, auf der anderen die spontanen, nächtelangen Gespräche unter Freund:innen. Für Kya Buller und Sophia Wild, die in Manchester ansässigen Mitgründerinnen von The Read Room, ist diese Grenze inzwischen auf beglückende Weise verschwommen. Was vor sieben Jahren als privates Ritual begann (sie tauschten ihre liebsten Bücher zwischen „abprallenden Tequila-Shots in einer schummrigen Bar-Ecke“), hat sich zu einem ausverkauften Kult-Event entwickelt. Den beiden wurde klar, dass man die „Steifheit“ und den Hausaufgaben-Charakter klassischer Literaturzirkel loswerden musste – stattdessen schufen sie ein energiegeladenes Format, bei dem Autor:innen zum Publikum kommen, ihre Texte vorstellen und die Gäste dazu ermutigen, sich über eine gemeinsame Leidenschaft zu verbinden. Entstanden ist ein authentischer, zugänglicher und inzwischen weithin anerkannter Zugang zu Literatur, mit dem sie ihr Konzept in ganz Großbritannien und darüber hinaus verbreiten.
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Buller und Wild erzählen im Folgenden ihre bisherige Geschichte, verraten ihre aktuellen Must-Reads und erklären, wie sie das traditionelle Buchclub-Erlebnis zeitgemäß neu inszenieren.
Über den Funken und das neue Modell
Kya Buller: Nach Jahren, in denen wir uns unsere Leseeindrücke hin- und hergeschickt haben, beschlossen wir, Anfang 2025 gemeinsam zu einem echten Buchclub zu gehen – und auf der Busfahrt zurück haben wir darüber gesprochen, wie wir unseren eigenen Buchclub zum Leben erwecken würden. Wir entschieden, das Konzept auf den Kopf zu stellen: Die Autor:innen sollten zu uns kommen, Auszüge aus ihren Werken lesen, und die Leute könnten das Buch dann mit nach Hause nehmen und in ihrem eigenen Tempo lesen … Es ist im Grunde „Literatur trifft Late Nights“, wenn man so will.
Über Community, Kultur und virale Momente
Sophia Wild: Die Menschen sehnen sich wirklich nach mehr Abenden, die sich um Literatur drehen – kreativ, cool, zum Ausgehen –, darauf haben wir gesetzt, und am Ende hat sich gezeigt, dass wir recht hatten! Im Kern schaffen wir eine Community im echten Leben, was im Zeitalter von TikTok und Dauer-Online-Sein an sich schon etwas Seltenes ist. Wir haben hart daran gearbeitet, einen Raum zu schaffen, in dem man frei über Literatur sprechen kann – ein Thema, das schnell als „intellektuell“ oder „unzugänglich“ abgestempelt wird – und wir ermutigen dazu, das Ganze als lässigen Abend zum Ausgehen und Kennenlernen zu sehen statt als rein intellektuelle Übung … Wir möchten, dass ihr euch wohlfühlt, offen seid und vielleicht neue Freund:innen findet und neue Menschen trefft. Es macht uns überglücklich zu sehen, dass bei jedem Event Menschen unterschiedlichsten Geschlechts, Alters und Backgrounds kommen. Uns ist wichtig, dass wirklich alle wissen, dass sie willkommen sind. Außerdem kommen viele allein und finden dann Freund:innen. Es gibt eine Gruppe von Solo-Gäst:innen, die inzwischen jede Woche gemeinsam Salsa tanzen gehen – und das lässt unsere Herzen einfach höher schlagen.
Über Kuratierung und Anerkennung
KB: Wir hatten unglaubliches Glück, dass so viele Verlage auf uns zugekommen sind – ich glaube, sie verstehen, dass wir einen einzigartigen Raum geschaffen haben, in dem Autor:innen ihre Arbeit persönlich vor einem begeisterten und engagierten Publikum präsentieren können.
SW: Wir wurden im Guardian vorgestellt, bekamen einen Beitrag bei BBC Radio, haben unseren ersten Partnership-Deal in Zusammenarbeit mit CUPRA abgeschlossen und wurden von den Manchester-Mediengrößen MCR Finest, MCR Wire und The Flaneuse porträtiert. Und kürzlich haben wir unsere erste Residency in London an Land gezogen, die im Januar 2026 startet – wir waren also gut beschäftigt …
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Über die Zukunft
KB: Wir haben das Gefühl, dass wir uns als Präsentations-Duo inzwischen gefunden haben und (hoffentlich) ziemlich gut darin sind – und genau das möchten wir gern noch stärker bei verschiedenen Formaten außerhalb von The Read Room ausspielen. Innerhalb davon wollen wir das Konzept im ganzen Land ausrollen und irgendwann global gehen. Wir erwähnen auch immer wieder unseren Traum, einmal SNL zu moderieren – was gar nicht so unrealistisch wirkt. Und wir sprechen oft über unsere Traum-Collabs … Meine wäre Manchester United, und Sophias wäre adidas. Wir werden sehen.
Ihre Must-Reads
KB: Bad Habit von Alana Portero… Dieses Buch habe ich von einer Sommerromanze geschenkt bekommen, die mich dann so sehr verletzt hat, dass ich es eine Weile nicht in die Hand nehmen konnte (ich bin so dramatisch). Aber ich werde für immer dankbar sein, dass mir dieses Buch dadurch in die Hände gefallen ist … Ein Zitat lautet: „Wie konnte etwas so Schönes, so Persönliches und so Außergewöhnliches, geschaffen, um es mit der Welt zu teilen, etwas, das vor reiner Freude vibrierte, da draußen mit so viel Feindseligkeit betrachtet werden?“ Ich meine: Mein Gott.
SW: To the Moon and Back von Eliana Ramage… Wir hatten das Glück, Eliana bei einem Read-Room-Event zu hosten, das wir in Zusammenarbeit mit dem Penguin-Random-House-Imprint Doubleday organisiert haben. Eliana las einen pointierten Auszug aus ihrem Debütroman, der sich um eine Szene drehte, in der die Protagonistin Steph leidenschaftlich von ihren Gefühlen für eine Klassenkameradin erzählt. Letztlich möchte Steph die erste Cherokee-Astronautin der Welt werden – schon dieser Plot ist einfach schillernd. Merkt euch auf jeden Fall die UK-Veröffentlichung Anfang 2026 vor.
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