Tritt ein in die „Dreamworld“-Ausstellung und feiere 100 Jahre Surrealismus
Von schmelzenden Uhren bis zu modernen Fantasiewelten.
Surrealismus ist so viel mehr als nur eine Kunstrichtungbewegung. Er taucht auf den Laufstegen, Albumcovern auf, ist verankert in Architektur, Interior Design und versteckt sich sogar im Alltag. Salvador Dalís schmelzende Uhren und René Magrittes gesichtsloser Apfelmann („The Son of Man“) sind längst von den Museumswänden in die Popkultur übergegangen – sie tauchen als Grafikprints auf Kleidung, als verspielte Accessoires und, im Fall von Dalí, sogar als echte Uhren auf, die wirken, als kämen sie direkt aus einer Traumsequenz.
Doch vor einem Jahrhundert war es nur eine kleine, sehr spezielle Künstler*innen-Bewegung. 1924 veröffentlichte der Dichter und Künstler André Breton das Manifest des Surrealismus, in dem er eine „Krise des Bewusstseins“ ausrief – seine Diagnose dafür, wie das Erwachsensein uns die Fantasie austreibt und Instinkt durch Etikette ersetzt. Seine Lösung? Surrealismus als Rebellion gegen all diese Starrheit, als Rückkehr zu Staunen, Intuition und ungehemmter, selbstbewusster Fremdheit. Kurz gesagt: Er wollte, dass die Welt aufhört, auf Nummer sicher zu gehen.
Ein Sprung 100 Jahre nach vorn: Heute bekommt der rebellische Funke des Surrealismus eine Bühne im Museumsformat im Philadelphia Museum of Art (PhAM) mit Dreamworld: Surrealism at 100, frisch von seiner europäischen Tour. Mit fast 200 Werken von mehr als 70 Künstler*innen zeichnet die Ausstellung nach, wie sich die Bewegung verwandelt, herausfordert und erweitert hat – und dabei ihrer zentralen Hingabe an das Unbewusste treu geblieben ist.
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Kuratiert von Matthew Affron und Danielle Cooke entfaltet sich die Ausstellung chronologisch in sechs thematischen Kapiteln. Besucher*innen können durch die frühesten Experimente streifen, das Verhältnis der Bewegung zur Natur entschlüsseln und sehen, wie globale Konflikte düstere Wendungen im surrealistischen Ausdruck befeuerten. Ein Highlight ist „Exiles“, ein nur in der PhAM-Präsentation vorkommender Abschnitt, der europäische Künstler*innen in den Fokus rückt, die während des Zweiten Weltkriegs nach Nordamerika flohen und die Bewegung aus der Ferne neu prägten. Die Reise endet mit „Magic Art“, der Hinwendung der Bewegung zu Mystik und Esoterik.
Getragen von Werken von René Magritte, Salvador Dalí, Frida Kahlo, Lee Miller, Joan Miró, Pablo Picasso und Mark Rothko, Dreamworld bietet sowohl einen umfassenden Überblick als auch einen spekulativen Blick darauf, was passiert, wenn Künstler*innen Logik zugunsten von Möglichkeiten über Bord werfen. Die Quintessenz? Die menschliche Vorstellungskraft kann Regeln komplett neu schreiben.
Die Ausstellung ist noch bis zum 16. Februar 2026 zu sehen. Alle Details gibt es auf der PhAM-Website.



















