Lernt Chelsea Jordan kennen – die Soulstimme, die jetzt überall durchstartet
Kurz vor ihrer zweiten EP spricht die Singer-Songwriterin über Herzschmerz, Ruhm auf Social Media und ihre erste eigene Tour.
Mit unverkennbarem Style und rohem Songwriting-Talent ausgestattet,Chelsea Jordan steht kurz davor, ihre zweite EP zu veröffentlichen – zusammen mit ihrer allererstenTour. Falls ihr Name noch nicht auf eurem Radar ist, gilt das hier als eure offizielle Einführung.
Die amerikanische Singer-Songwriterin sorgte 2024 erstmals mit „Toronto“ für Aufsehen – einer Single, die aufTikTokdank ihrer ungefilterten, emotional offenen Lyrics richtig Fahrt aufnahm. Seitdem ist ihre Verbindung zu den Zuhörer:innen nur noch intensiver geworden. Der Track „halfwaythru“, 2025 erschienen, hat ein Eigenleben entwickelt, unzählige Videos untermalt und über 2,5 MillionenSpotifyStreams gesammelt. Die Single hat ganz offensichtlich ein Publikum getroffen, das sich in Zeilen wie „I love a cheeky glass of wine and a cigarette“ wiedererkennt. Ehrlich und selbstreflektiert wirkt Jordans Songwriting weniger wie Performance und mehr wie ein Tagebucheintrag, vertont auf soulige Melodien.
Abseits der Musik ist auch ihre Ästhetik unverkennbar: Denkt an weite Silhouetten, Vintage-Funde und perfekt gestylte Layering-Looks – ein Signature-Style, der genauso mühelos wirkt wie ihr Sound. Lange bevor sie ihre Songs teilte, baute Jordan sich mit Outfit-Videos eine Community auf und schärfte eine visuelle Identität, die heute genauso stark resoniert wie ihre Texte. Als sie schließlich den Mut fand, ihre Musik zu veröffentlichen, fühlte es sich weniger wie ein Debüt und mehr wie eine natürliche Evolution an – zu unserem großen Glück.
Wie bist du ursprünglich zur Musik gekommen? Wie sieht dein Weg bisher aus?
Als Kind war ich immer schon musikalisch. Ich habe es geliebt zu singen und zu tanzen – wie man das eben als Kind macht. Aber je älter ich wurde, desto mehr bin ich in den Sport reingerutscht und habe meine gesamte Zeit mit Lacrosse verbracht. Ich habe mich committed und bin für Lacrosse an die USC gegangen, habe dort aber schnell gemerkt, dass das überhaupt nicht das ist, was ich wirklich machen möchte. Dann habe ich, während ich noch BWL studiert habe, einen Songwriting-Kurs belegt – und dieser eine Kurs hat alles verändert. Alle Studierenden, die ich dort kennengelernt habe, meinten zu mir: „Du musst eindeutig Musik machen.“ Also dachte ich, ich probiere es einfach. Ich wusste nichts über das Business oder die Industrie, aber ich bin dann ins Musikprogramm gewechselt.
Seitdem mache ich Musik, inzwischen seit etwa sieben Jahren. Die Leute, mit denen ich im College angefangen habe, Musik zu machen, sind auch heute noch die, mit denen ich zusammenarbeite. Obwohl das schon so lange läuft, veröffentliche ich erst seit knapp zwei Jahren. Ich habe bisher nur eine EP und zwei Singles rausgebracht. Und jetzt bin ich hier – es war definitiv ein langsamer Aufbau mit viel Lernen, viel Zeit im Studio, um mich wohlzufühlen und meine Stimme wirklich kennenzulernen.
Kannst du uns ein bisschen erzählen, welche Rolle Social Media für deine musikalische Entwicklung gespielt hat?
Ich habe vor etwa drei Jahren angefangen, ins Internet zu posten – einfach Fit-Checks. So hat alles begonnen. Meine Managerin hat mich darüber gefunden und meinte, sie würde mich supergern vertreten. Am Anfang fand ich das alles ein bisschen cringy. Ich wollte eigentlich gar nicht wirklich auf Social Media sein. Aber ich dachte mir: Wenn ich damit Geld verdienen und meine drei Jobs aufgeben kann, probiere ich es. Dann wurde Social Media mein Fulltime-Job – und genau das hat mir die Freiheit gegeben, Musik zu machen. Inzwischen bin ich beiArista, und dank ihnen bin ich jetzt Vollzeitmusikerin. Auch wenn ich schon vorher Musik gemacht habe, habe ich sie nie geteilt, weil ich wahnsinnige Angst davor hatte. Ich hatte Angst, dass sie nicht ankommt. Ich habe versucht, sie so nebenbei zu integrieren, war damit aber überhaupt nicht konsequent. Als „Toronto“ dann ganz gut lief, hat mir das Selbstvertrauen gegeben, mehr zu posten und wirklich in die Sache zu investieren. Und als ich angefangen habe, „halfwaythru“ zu teasen, ist der Song super durch die Decke gegangen – das hat mir den Mut gegeben, als Künstlerin im Internet aufzutreten.
Erzähl uns ein bisschen von deiner neuesten EP.
Meine aktuelle EP heißt better late than not at all, eine Zeile aus „Picky Choosey“, dem Song, der als Nächstes erscheint. Diese EP ist meine Rückkehr zu mir selbst. Ich war vorher in einer Beziehung, die wirklich schön war, aber sie ist zu Ende gegangen, weil sie mir irgendwann nicht mehr das gegeben hat, was ich mir von einer Beziehung wünsche. Das ist ein bisschen herzzerreißend, aber gleichzeitig selbstbewusst und hoffnungsvoll. Ich glaube, man sieht in vielen Momenten eine sehr verletzliche Seite von mir und meiner Beziehung, aber auch die Seite, in der ich mich und meine Energie schütze. Es gibt auch verspielte Momente auf dem Projekt, in denen ich anfange, mit anderen zu flirten und einen Crush auf jemanden Neues entwickle. Ich habe einen Song, der „If I’m Lucky“ heißt – darin geht es um einen Crush auf jemanden, von dem du genau weißt, dass er überhaupt nicht dein Mensch ist. Ich weiß nicht, ob ich hier fluchen darf, also lasse ich es, aber es geht um jemanden, der eine absolute Red Flag ist, und du suchst nichts Ernstes. Für mich zeigt das Projekt die komplette Entwicklung, wie ich meinen Break-up verarbeite – verpackt in eine EP mit sechs Songs.
„Picky Choosy“ ist so ein uplifting (und extrem catchy) Track. Kannst du uns die Story dahinter erzählen?
Als ich diesen Track geschrieben habe, war ich an einem Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, meine Zeit mit Menschen zu verbringen, die es nicht verdient hatten, in meiner Nähe zu sein – als würden sie mir energetisch etwas entziehen. Heute bin ich extrem picky damit, wem ich meine Zeit schenke und mit wem ich mich umgebe. Genau darum geht es in dem Song: darum, meine eigene Energie zu schützen und zu wissen, dass die Menschen in meinem Leben mir auf die bestmögliche Weise guttun. Ich habe unglaubliche Freund:innen, und das erfüllt mich sehr. „Picky Choosy“ ist quasi die Single-Girl-Hymne; sie handelt davon, Selbstvertrauen zu haben und zu wissen, dass nicht jede:r es verdient, in deinem Orbit zu sein. Für mich ist es ein selbstbewusster, selbstschützender, selbstliebender Song – definitiv für die Girlies und die Gays.
Deine Texte sind sehr verletzlich. Gibt es eine Message, die die Hörer:innen aus dem Projekt mitnehmen sollen?
Ich glaube, der Titel der EP insgesamt, better late than not at allist entstanden, weil ich Menschen Trost spenden wollte. Ich habe meine Beziehung vielleicht etwas später beendet, als ich es hätte tun sollen, aber ich bin immerhin gegangen und habe das getan, was für mich richtig war. In meiner Beziehung ist nichts „Schlimmes“ passiert, und genau das hat es noch schwerer gemacht zu gehen – aber es hat vieles gefehlt, das ich dringend gebraucht habe. Ich wollte den Leuten die Stärke und das Selbstvertrauen geben, zu erkennen, dass sie alles, was sie brauchen, bereits in sich tragen.
Kannst du uns etwas über deinen Writing-Prozess erzählen?
Ich habe eine kleine Gruppe von Writer:innen, die zu meinen engsten Freundinnen gehören. Diese EP wurde konkret von mir,Jamie Gelman, Tabi und Raquel Castro. Es sind alles Girls, deshalb besteht mein Schreibprozess im Grunde darin, mit Frauen in einem Raum zu sein. Wir gehen ins Studio, jemand legt Akkorde hin und wir sitzen einfach da und reden darüber, was gerade in meinem Leben passiert. Für den Track „I’ll Remember You“ habe ich Raquel [Castro] extra geschrieben und gesagt: Ich habe dieses Konzept – wir müssen dazu einen Song machen. Ein paar Tage später hatte sie bereits die Hook fertig, und es war verrückt, weil es exakt das war, was ich sagen wollte. Sie hat es auf den Punkt gebracht. Es ist unglaublich befreiend, von Frauen umgeben zu sein, die mich wirklich verstehen; das macht den Prozess so viel weniger stressig und es fühlt sich an wie Therapie. Ich gehe mit einem Haufen Emotionen hinein und komme mit etwas Greifbarem wieder raus, das ich in Dauerschleife höre und das all diese Emotionen für mich trägt.
Hast du einen Rat für Menschen, die gerade Herzschmerz oder Trauer durchmachen?
Es ist so ein Klischee, weil es wirklich jede:r sagt – aber es braucht einfach Zeit. Es braucht das Aufstehen und all die Dinge zu tun, von denen du dir gewünscht hast, dass ein anderer Mensch sie für dich macht – und sie für dich selbst zu tun. Das wird dir beweisen, dass du niemand anderen brauchst. Ich glaube, ein anderer Mensch – ob Freund:in oder Lover – sollte wie ein Dessert sein. Nicht das absolut Lebensnotwendige. Nähe ist wunderschön, und ich bin so dankbar, dass ich in meinem Break-up auf so viele tolle Freund:innen zählen konnte. Und ich würde jede:n ermutigen, sich an Menschen zu halten, die dich bedingungslos lieben, denn darum geht es am Ende: um Liebe. Wenn du es schaffst, dieses Loch mit Liebe zu füllen – ob von jemand anderem oder von dir selbst –, dann wirst du okay sein.
Du wirst oft mit Olivia Dean verglichen. Wer sind deine größten Inspirationsquellen?
Amy Winehouseist meine absolute Nummer-eins-Inspiration. Textlich liebe ich, wie roh sie ist. Ich liebe ihre Vocals und wie unperfekt sie war. Ich glaube, ich strebe nie wirklich nach Perfektion, weil sie mein größtes Vorbild in der Musik ist. Ich werde oft mitOlivia Deanverglichen – und ich liebe ihre Musik total. Ich bin seit Jahren Fan von ihr und würde definitiv sagen, dass sie mich inspiriert. Klanglich macht sie so schöne, zugängliche, soulige Musik. Aber ich werde so oft mit ihr verglichen, dass ich beim Schreiben manchmal denke: „Oh, das klingt nach Olivia Dean, das müssen wir ändern.“ Ich werde wahrscheinlich immer in diese Schublade gesteckt werden, und ich möchte niemandem auf die Füße treten. Mit Amy Winehouse ist es ähnlich: Ich sage, wie sehr ich Amy liebe – und dann produzieren mir Leute einen Amy-Winehouse-Track. Das ist aber nicht das, was ich machen möchte. Ich bin außerdem sehr inspiriert von Lola Young. Ich liebe ihre Lyrics, ich liebe, wie mutig sie ist. Ich würde sagen, Lola ist wahrscheinlich eine meiner größten Inspirationen. Die Produktionen in ihrer Musik sind immer outstanding; jeder Song fühlt sich für mich komplett anders an – und das liebe ich. Ihr Songwriting ist so ehrlich, roh und auf eine wunderschöne Art ein bisschen gritty.
Du hast auf Social Media auch eine treue Fanbase, die dir wegen deiner Fashion-Inspo folgt. Wie würdest du deinen Style beschreiben?
Ich würde meinen Stil als playful chic beschreiben. Er verändert sich ständig in Wellen. An einem Tag bin ich super feminin, man sieht meine Schlüsselbeine – was nicht viele zu sehen bekommen – und am nächsten Tag trage ich, so wie jetzt gerade, ein Longsleeve und richtig weite Hosen. Es ist die perfekte Balance zwischen meiner femininen und meiner maskulinen Energie. Ich trage definitiv viel maskuline Energy in mir und habe Tage, an denen ich das bewusst auslebe. Früher habe ich extrem oversized getragen, wirklich alles war baggy. Meine T-Shirts waren so riesig, dass man überhaupt nicht erkennen konnte, wie mein Körper aussieht. Aber mein aktuelles Style-Icon ist Lenny Kravitz, deshalb gehe ich jetzt eher in Richtung Schlagjeans und Mini-Tee-Moment. Ich werde oft nach meinem Style gefragt, aber er ist ständig im Wandel – so wie ich auch. Ich wache einfach auf und frage mich: Worauf habe ich heute Lust? Viel mehr Struktur steckt da eigentlich nicht dahinter.
Hast du gerade eine aktuelle Fashion-Obsession?
Ich habe ein bestimmtes Paar Jeans und Clogs, die ich immer zusammen trage. Die Jeans sind von Acne Studios– schwarze Denims, leicht distressed mit etwas Farbe drauf, ausgestellt, und sie passen einfach zu allem. Die Clogs harmonieren perfekt mit der Hose. Diese Kombination kann ich einfach nicht mehr ausziehen!
Du startest bald auf deine erste Tour. Wie fühlt sich das an?
Ich bekomme gerade zum ersten Mal richtig mit, wie viel Arbeit in eine Tour fließt. Auch wenn sie nur zweieinhalb Wochen dauert, gibt es unglaublich viele bewegliche Teile – und ich bin zum ersten Mal auf dieser Seite des Ganzen. Ich bin ein bisschen nervös, weil ich diese Songs zum ersten Mal live performe, und ich bin gespannt, wie sie sich von der Studioversion ins Live-Set übersetzen. Aber ich bin auch wahnsinnig aufgeregt. Jedes Mal, wenn ich auftrete, fühlt es sich so bestätigend an, und ich spüre, dass es genau das ist, was ich machen soll. Wenn ich Musik veröffentliche, schaue ich zwangsläufig auf Zahlen – das lässt sich schwer ausblenden. Aber wenn ich auf der Bühne stehe, weiß ich einfach, dass ich dafür bestimmt bin. Ich freue mich darauf, da noch mehr reinzuwachsen und weiterzumachen.
Mit welchem Artist würdest du in deinen kühnsten Träumen zusammenarbeiten?
Wahrscheinlich mit SZA oder Doechii. Vielleicht würde ich auch noch Tyler, the Creator in den Mix werfen – oder Daniel Caesar. Ich würde unfassbar gern eine Hook auf einem Daniel-Caesar-Song singen.
Was können wir in Zukunft von dir erwarten?
Ich stehe kurz davor, meine EP zu veröffentlichen, und schreibe gleichzeitig schon an einem Album. Alles, woran ich arbeite, ist sehr ehrlich und nah an meinem echten Leben, deshalb ist es für mich superaufregend, dass das Album, das ich gerade schreibe, genau meinen aktuellen Moment einfängt. Rechnet damit, mich live zu sehen. Ich will nach Europa kommen. Ich will Festivals spielen. Ich will einfach nur spielen und im Studio sein. Ihr könnt euch auch auf intime Pop-ups und Akustik-Sets freuen. Ich möchte Menschen und meine Fans treffen. Ich liebe es, meine Fans zu treffen – sie sind immer so sweet. Ich bin jedes Mal geflasht, wie freundlich alle sind. Es ist unglaublich erfüllend, alle persönlich kennenzulernen, und ich hoffe, dass ich dieses Jahr ganz viel davon machen kann.















