Lerne die Make-up-Artistin hinter dem witchy Glam von „Forbidden Fruits“ kennen
Wir haben mit Joan Chell darüber gesprochen, wie sie die magischen Make-up-Looks für den neuen Film kreiert hat.
Mit Lili Reinhart, Lola Tung, Victoria Pedretti und Alexandra Shipp, Forbidden Fruits ist eine hexenhafte, satirische Auseinandersetzung mit dem Kult der Schwesternschaft. Im Film verwandeln sich Angestellte eines Einkaufszentrums in Hexen, und weibliche Freundschaften werden durch nächtliche Rituale besiegelt. Angesichts dieses fantastischen Settings wurde jedes noch so kleine Detail bewusst durchdacht und sorgfältig kuratiert – und macht Make-up-Looks zu einem essenziellen Bestandteil des Zaubertranks.
Für Make-up-Artistin Joan Chell, bedeutete es, einen Glam zu entwickeln, der auf Augenhöhe mit den markanten Figuren des Films war – mit mehreren Moodboards und intensiver Zusammenarbeit mit Regisseurin Meredith Alloway sowie der gesamten Kostüm- und Hair-Abteilung. Nachdem sie bereits bei Heated Rivalry als Head of Make-up gearbeitet hatte, sieht Chell die beiden Projekte in völlig unterschiedlichen Welten verankert – während die Hockey-Romanze verschwitzte Körper und SFX-Details bedeutete, setzte Forbidden Fruits auf Smokey Eyeshadow und blutgetränkte Haut.
Angetrieben von Macht und Performance werden die Figuren Apple, Pumpkin, Cherry und Fig zum Vehikel für das übergeordnete Thema Weiblichkeit. Während das Styling in Forbidden Fruit das Gefühl von überhöhter Realität prägt, erkennt Chell an, dass Make-up ebenso dazu beiträgt, die Figuren zu lebendigen, atmenden Menschen zu formen – sodass selbst scheinbar absurde Momente wie Ritualszenen im Keller des Einkaufszentrums zu entscheidenden Entwicklungspunkten werden.
Im Folgenden sprechen wir mit Joan Chell über ihre Arbeit an Forbidden Fruits und darüber, was sie ursprünglich an diesem Projekt angezogen hat.
Über das Erträumen des Make-ups in Forbidden Fruits
Meine wichtigste Inspiration kam ursprünglich aus meinen vielen Gesprächen mit Meredith [Alloway], drei Monate vor Drehbeginn. Sie hatte das Konzept zwei Jahre lang gemeinsam mit den Girls entwickelt, bevor wir starteten, und ich habe sehr viel aus diesen Chats mitgenommen. Ich habe die Ideen in Moodboards für die Hauptcharaktere übersetzt, und nach viel Hin und Her und Feinschliff, bis wirklich alles stimmte, sind wir schließlich bei den Looks gelandet, die man auf der Leinwand sieht.
Über das, was den gesamten Glam zusammenhält
Die hexenhafte Energie wurde vor allem während der nächtlichen Store-Rituale lebendig. Jedes Ritual hatte seine ganz eigene Seele, also haben wir sie als eigenständige kreative Challenges behandelt. Ich habe eng mit unserer großartigen Kostümdesignerin zusammengearbeitet, damit die Make-up-Paletten nicht nur zu den Kostümen passten, sondern sie noch verstärkten. Beim Thema Wintersonnenwende etwa haben wir uns auf eine spezielle Form von Ritual-Glam eingelassen, der zugleich eisig-blau und High Fashion wirkte. Es ging nicht nur darum, „hexig“ auszusehen – sondern mit Farbe und Textur diese Mitternachtszeremonien einzigartig spektakulär zu machen. Das Ziel war, dass sich das Make-up wie ein Teil des Rituals anfühlt – bewusst gesetzt und tief mit der Transformation der Figuren in diesen Momenten verknüpft.
Über ihren Lieblingslook
Definitiv Pumpkin, gespielt von Lola Tung – sie war ein totales Chamäleon. Wir haben bei ihr sehr reduziert und natürlich angefangen – einfach ein junges, unscheinbares Girl im Food-Court – und die Intensität im Verlauf der Story immer weiter hochgeschraubt, während sie selbst zur Frucht wird. Mein liebstes persönliches Detail war, ihre Sommersprossen zu designen; sie haben eine zusätzliche Charakterschicht geschaffen, die ihre Looks echt wirken ließ, nicht nur aufgesetzt. Es war großartig zu sehen, wie genau diese kleinen Details ihre vielen Looks mitdefiniert haben.
Wie Make-up eine Figur zum Leben erweckt
Ich bin fest davon überzeugt, dass die besten Ergebnisse im intensiven Miteinander entstehen. Die Magie von Forbidden Fruits entstand aus der Verbindung zwischen meinem Platz, den Kostümstangen und dem Monitor der Regie. Wir bauen alle gemeinsam an einer einzigen Welt. Indem wir Make-up, Hair und die Energie der Schauspieler:innen aufeinander abstimmen, schaffen wir ein Umfeld, in dem das Spiel wirklich aufblühen kann. Es ist ein kollektiver Hustle, der den finalen Look an einen Punkt bringt, den ich alleine niemals erreicht hätte.
Was sie an einem Projekt anzieht
Es ist eine Mischung aus drei Dingen: eine einzigartige Storyline, Figuren mit Tiefe und ein Team, das wirklich kollaborieren will. Ich suche nach Projekten, die eine weite kreative Palette bieten – Arbeiten, bei denen ich etwas wirklich Authentisches erschaffen kann. Am Ende des Tages ist Filmemachen Teamarbeit, und mich zieht genau diese geteilte Energie an, gemeinsam etwas Schönes zu kreieren.
Über den Unterschied zwischen Forbidden Fruits und Heated Rivalry
Der Wechsel zwischen diesen beiden Projekten fühlte sich an, als würde man sich zwischen zwei völlig unterschiedlichen psychologischen Landschaften bewegen. Ich würde Forbidden Fruits als „mystical glam horror“ beschreiben – eine Welt, in der High-Fashion-Ritual-Looks mit der Brutalität von Bluteffekten, abgerissenen Fingernägeln und schonungslosem Gore kollidierten. Heated Rivalry war eine High-Stakes-Hockey-Lovestory, die eine völlig andere Art technischer Ausdauer verlangte. Die Härte dort war kein Blut – sondern die unsichtbare Kunst, Body Sheen, Schweiß und Bruising-SFX zu kontrollieren.
Interessanterweise war die eine Brücke zwischen diesen beiden Welten die bewusste Entscheidung für Sommersprossen. Für Pumpkin habe ich sie als kreativen Charakterzug in Forbidden Fruits visualisiert, für Shane Hollander in Heated Rivalry, dort waren sie ein essenzieller Verweis auf die ursprüngliche Buchreihe.



















