Wir haben mit Newcomer-Designerin Julie Kegels über ihre FW26-Show gesprochen
„Mein Ziel ist es, eine wiedererkennbare Designsprache zu schaffen, in der Silhouette und Konstruktion ganz für sich sprechen.“
Es gibt keine Bühne wie Paris. Als längster und anspruchsvollster Stopp im globalen Circuit des Fashion Month Paris Fashion Week bleibt der ultimative Prüfstein, auf dem Traditionshäuser den Kalender dominieren. Für aufstrebende Designerinnen und Designer kann die französische Hauptstadt unerbittlich wirken, deshalb entscheiden sich viele für London, eine Stadt, die für die Förderung neuer Talente gefeiert wird – statt zu riskieren, von den größten Namen der Branche in den Schatten gestellt zu werden. Doch Julie Kegels gehört nicht zu denen, die das Rampenlicht scheuen.
Als Absolventin der Royal Academy of Fine Arts in Antwerpen hat die belgischeDesignerin 2024 ihr gleichnamiges Label gegründet und mit der FW24-Saison ihr Debüt auf der Paris Fashion Week gegeben. In kürzester Zeit hat sich Kegels eine markante Stimme unter der neuen Modegarde erarbeitet, indem sie klassische Vorstellungen von zeitgenössischem Luxus durch eine nuancierte Auseinandersetzung mit weiblichen Archetypen infrage stellt. Ihre Kollektionen balancieren Eleganz und Verspieltheit und laden Trägerinnen und Träger ein, Widersprüche wie Struktur und Spontaneität zuzulassen, ohne in eine einzige Identität zu verfallen.
Erzähl uns ein wenig von deinem Label und davon, wie du zum Designen gekommen bist.
Was als Neugier begann, hat sich zu einer tiefergehenden konzeptuellen Auseinandersetzung entwickelt. Mein Label bewegt sich heute an der Schnittstelle von Eleganz und Verletzlichkeit. Mich fasziniert die Spannung zwischen Struktur und Fragilität, zwischen Kontrolle und Chaos – und ich versuche, diese Dualität über Konstruktion und erzählerische Elemente sichtbar zu machen.
Wie würdest du deine neueste Kollektion beschreiben?
Die aktuelle Kollektion kreist um die Idee des „Quick Change“, der schnellen Verwandlungen, die Frauen innerhalb eines einzigen Tages durchlaufen. Sie untersucht, wie Identität zwischen Rollen wechselt – professionell, intim, öffentlich, privat.
Dein Label gibt es erst seit 2024. Wie ging es von der ersten Kollektion so schnell bis zur Show auf der Paris Fashion Week?
Ehrlich gesagt habe ich nicht zu viel darüber nachgedacht. Es ist auf organische, aber sehr intensive Weise passiert. Ich habe hart gearbeitet und gesehen, wohin mich das bringen kann.
Was kannst du uns über deinen Designprozess erzählen? Wie entsteht eine Kollektion – vom ersten Impuls bis zur Präsentation?
Es beginnt immer mit einer Frage oder einem Gespräch. Meist starte ich mit persönlicher oder emotionaler Recherche und übersetze diese Impulse dann in Schnitte sowie kleine Konstruktionsproben oder Manipulationen. Ich arbeite sehr handwerklich, vieles entsteht durch Experimentieren. Sobald die Formen klar sind, verfeinern wir Proportionen, wählen die passenden Stoffe und perfektionieren die letzten Details. Am Ende geht es um die gesamte Erzählung: das Casting, das Styling, die Musik und die Bewegung der Kleidung. Die Show selbst – besonders mit Live-Transformationen – wird zu einem integralen Teil des Designs.
Auf deiner Website schreibst du, dass du stark aus persönlichen Erinnerungen schöpfst. Kannst du einige davon mit uns teilen, die dich besonders inspiriert haben?
Mich ziehen kleine, intime Übergangsmomente an – wenn jemand sich verändert, sich anpasst oder in eine neue Rolle hineinwächst. Es geht dabei nicht nur um Frauen, sondern um menschliche Transformation generell. Ich denke auch viel an Kleidungsstücke, die starke Emotionen markiert haben – Unabhängigkeit, Stärke oder Verletzlichkeit. Diese persönlichen Erinnerungen formen leise die Silhouetten, Schnitte und Details in meiner Arbeit.
Hast du ein Lieblingsstück, das du entworfen hast? Und warum gerade dieses?
Jedes einzelne Teil löst in mir eine auf seltsame Weise herzzerreißende Reaktion aus.
Was können wir in Zukunft von deinem Label erwarten? Worauf arbeitest du hin?
Ich möchte die konzeptuelle Identität des Labels weiter ausbauen und gleichzeitig die handwerkliche Präzision schärfen. Mein Ziel ist eine wiedererkennbare Designsprache, in der Silhouette und Konstruktion für sich selbst sprechen. Jede Kollektion erzählt eine andere Geschichte – aber mit derselben Stimme.



















