Andreas Kronthaler findet den Takt für Vivienne Westwood FW26 neu
Ein filmisches Tribut an das Erbe – und die Kunst des vernünftigen Aufbegehrens.
Andreas Kronthaler for Vivienne Westwood setzt die Neuinterpretation des radikalen Erbes des Hauses mit „Catch the Rhythm“, einer Herbst/Winter-2026-Kollektion, fort, die sich liest wie ein zutiefst persönlicher Tagebucheintrag. Die Paris Fashion Week-Show war tief in den österreichischen Wurzeln des Designers verankert und bewahrte zugleich den respektlosen, punknahen Spirit, der bis heute den Herzschlag des Westwood-Labels bildet. Außerdem saßen in der Front Row Lola Young und Chappell Roan, zwei rebellische Frauen, von denen wir sicher sind, dass Westwood sie geliebt hätte.
Der erzählerische Bogen der Kollektion wird von drei klaren Inspirationspfeilern getragen. Kronthaler richtet den Blick zunächst auf die filmische Eleganz der österreichischen Schauspielerin Romy Schneider und zieht einen Faden europäischen Erbes durch das gesamte Line-up. Geschärft wird dies durch den Einfluss des italienischen Kostümbildners Danilo Donati, insbesondere durch seine Arbeit an Pasolinis The Canterbury Tales. Indem die Kollektion Chaucers Themen menschlicher Sehnsucht durch ein Prisma aus Humor und Rauheit bricht, wirkt sie zugleich historisch verankert und vollkommen zeitgemäß.
Die technische Umsetzung dieser Saison setzt klar auf Spontaneität statt auf starre Konstruktion. Experimentelle Kleider zeigen offene Nähte und ein bewusstes Drapé, das sich mit der Trägerin bewegt, während Schürzenkleider von langen, nachziehenden Bändern belebt werden. Eine provokant-verspielte Note entsteht durch die Integration erotischer Klassiker – man denke an Strapse, Strümpfe und BHs – im Dialog mit „Hard-Candy“-Akzenten und von Amor inspirierter Strickmode. Der Kontrast zwischen diesen zarten Details und schweren, doppelt gepolsterten Schultern an Mänteln und Pullovern formt eine Silhouette, die zugleich schützend und verletzlich wirkt.
Das sinnliche Erlebnis wurde von einem eigens komponierten Soundtrack von Boy George und Kinky Roland abgerundet, der die langjährige Verbindung des Hauses zum musikalischen Underground Londons unterstrich – über die Lautsprecher war beim Finale „I was dressed head to toe in Vivienne Westwood“ zu hören.
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