Naomi Scott stellt sich neu vor
Nach Jahren in Filmrollen schreibt die Künstlerin mit ihrem Debütalbum nun endlich ihre ganz eigene Geschichte.
Naomi Scotthat jahrelang die Geschichten anderer Menschen zum Leben erweckt. Jetzt, mit ihrem Debüt-Album F.I.G, erzählt sie endlich ihre eigene. Ein Projekt, das fast ein Jahrzehnt in der Entstehung war – zum ersten Mal hatte Scott den Raum, vollständig und kompromisslos sie selbst zu sein.
Von der Teenagerin im Cast von Disney Lemonade Mouthbis zum globalen Gesicht nach der Live-Action-Version von Aladdinund zuletzt als verstörende Präsenz im Horror-Sequel Smile 2, ist sie mühelos zwischen Welten gewechselt – immer faszinierend, aber selten Herrin der eigenen Erzählung. Jetzt tritt die Künstlerin wirklich ins Rampenlicht, reduziert alles auf das Wesentliche und erlaubt einen intimen, ungefilterten Blick darauf, wer sie jenseits der Leinwand ist.
Während sich Scotts Rollen weiterentwickelt haben, war Musik immer die Konstante darunter – eine leisere, persönlichere Strömung, auf die sie die ganze Zeit hingearbeitet hat, und F.I.Gist das Ergebnis. Executive Producer ist Lido, das Projekt ist eine genrefluide Odyssee zwischen Gospel-Wärme, 80s-Pop-Nostalgie, alternativer Pop-Schärfe und soulful 90s-R&B. Es ist verletzlich und verspielt, weit gefasst und zugleich zutiefst intim. Entstanden in einer kreativen Bubble, die Scott als instinktgeleitet und frei beschreibt, klingt es weniger nach einem Debüt als nach einem Ankommen.
Dieses Projekt fängt die vielen Versionen ihrer selbst ein, die sie noch immer entdeckt, und erschafft eine Klangwelt, die von neu gewonnener Freiheit geprägt ist. Mit ihrer ersten Nordamerika-Tour am Horizont haben wir uns mit Scott zusammengesetzt, um über Selbstausdruck, musikalische Identität und die Frage zu sprechen, was es bedeutet, endlich als sie selbst gesehen zu werden. Weiter unten gibt es das komplette Interview.
Du hast gerade dein Debütalbum veröffentlicht, ‘F.I.G‘ – kannst du uns ein bisschen etwas über das Projekt und den Entstehungsprozess erzählen?
Ich beschreibe das Album als spielerische Erkundung verschiedener Versionen meiner selbst. Es ist nostalgisch, aber frisch, macht Spaß und ist zugleich verletzlich und emotional. Nach der Pandemie bin ich zu den Basics zurückgekehrt – nur ich am Klavier, mit einer kindlichen Spielfreude, ohne das zu bewerten, was herauskam. So habe ich begonnen, diese kleine Welt aus Demos zu erschaffen, die sich wie ein eigener „Sound“ und ein zusammenhängendes Thema anfühlte. Dann musste ich die richtige Person finden, um die Klanglandschaft in meinem Kopf zu verwirklichen, und wie das so ist, wenn man mit unglaublich talentierten Leuten arbeitet, hat Lido mir geholfen, eine Klangwelt zu erschaffen, die noch besser war, als ich sie mir vorgestellt hatte. Er ist der Executive Producer dieses Albums. Einen Teil davon konnte ich in Norwegen, seiner Heimat, aufnehmen. Es war ein wunderschöner Prozess; wir waren völlig in unserer eigenen kleinen Welt und dadurch frei von äußeren Meinungen.
Für alle, die dich vor allem aus der Schauspielerei kennen: Wie hat dir dieses Projekt ermöglicht, dich neu vorzustellen?
Ehrlich gesagt fühlt es sich an, als würde ich mich zum ersten Mal überhaupt vorstellen. Viele Leute kennen mich als Figuren, die meist Welten von dem entfernt sind, wer ich wirklich bin – deshalb ist das eine Möglichkeit, mich selbst zu zeigen, meinen Geschmack und wer ich als Künstlerin bin. Es ist meine Vision, nicht die von jemand anderem.
Deine Texte sind sehr verletzlich. Gibt es eine Botschaft, die die Hörer*innen aus dem Album mitnehmen sollen?
Ich möchte einfach, dass Menschen etwas fühlen, dass bei ihnen ganz Persönliches angestoßen wird – und dass es sie dazu bringt, ihren Körper als Reaktion darauf zu bewegen. Ich liebe es, wenn Menschen sich selbst in die Musik einbringen; für mich ist das, was große Kunst ausmacht. Ich liebe es sogar, wenn Leute in einem Song eine völlig andere Bedeutung sehen, als beim Schreiben beabsichtigt war. Und ich liebe es tatsächlich auch, wenn Leute die Lyrics falsch verstehen … vielleicht, weil ich selbst Songtexte ständig falsch verstehe.
Kannst du uns den Titel des Albums ein bisschen erklären?
F.I.Gist ein Akronym für „Fall Into Grace“. Grace ist mein zweiter Vorname, und das Album dreht sich darum, verschiedene Versionen meiner selbst zu erkunden. Die andere Bedeutung leitet sich aus einem Zitat aus dem Roman The Bell Jar von Sylvia Plath. Darin geht es um einen Traum der Protagonistin: Sie sitzt am Fuß eines Feigenbaums, und jede Feige steht für einen anderen Lebensweg, den sie hätte einschlagen können. Sie sieht zu, wie sie zu Boden fallen und verrotten, während sie verhungert – aus Angst, die falsche Entscheidung zu treffen. Das fand ich unglaublich eindrücklich.
Die Platte greift von 80s-Pop bis Kirchenmusik alles auf. Kannst du uns ein bisschen von deinen Einflüssen erzählen?
Meine Einflüsse sind ein Mix aus dem, was ich als Kind und frühe Teenagerin gehört habe. Sei es, dass ich die Vocal-Riffs von Pop-Gospel-Künstlerinnen wie Mary Mary und Stacie Orrico, oder dass ich als Teenagerin die Klangwelten von Blood Orange, Jessie Ware und FKA Twigs, für mich entdeckt habe und begonnen habe, diese Kollisionen von Einflüssen in Produktionen zu hören, die für jede*n Künstler*in etwas ganz Eigenes erschaffen haben.
Du startest bald zu deiner ersten Nordamerika-Tour. Wie fühlt sich das an?
Ich fühle mich unglaublich gesegnet, überhaupt auf Tour gehen zu dürfen. Nichts ersetzt Erfahrung, wenn es um Live-Performance geht. Ich möchte lernen, wachsen, mein Handwerk verfeinern – und ich möchte in einem Raum mit Menschen sein, die dieses Album lieben, und sie singen hören. Ich glaube, es wird ein wunderschöner Moment, wenn ich die Leute die Lyrics mitsingen höre.
Mit welchem Artist würdest du am liebsten einmal zusammenarbeiten?
Ich denke immer zuerst daran, mit wem ich gerne schreiben würde. Ich habe mit Fabiana Palladino, deren Musik ich absolut liebe, geschrieben. Sie ist eine unglaubliche Musikerin und eine großzügige Partnerin bei kreativen Projekten, und ich kann es kaum erwarten, wieder mit ihr ins Studio zu gehen.
Was können wir in Zukunft von dir erwarten?
Mehr Musik! Mehr Live-Shows! Mehr Musikvideos!



















