Hinter den Kulissen von Miista und Lost Property: Ein inspirierender Vortragsabend
Unter den Eisenbahnbögen in Hoxton versammelte sich Londons coolstes Publikum zu einem Abend voller inspirierender, zum Nachdenken anregender Talks.
Wenn sich eure Groupchats in letzter Zeit ein wenig langweilig anfühlen, Miistahat gerade das perfekte Gegenmittel geliefert. Unter den Eisenbahnbögen in Hoxton versammelte das Label Londonscoolstes Publikum und tat sich mit der wandernden Vortragsreihe Lost Propertyfür einen Abend voller inspirierender Talks rund um das Thema „The Silence That Speaks“. Ins Leben gerufen von Autorin und Journalistin Letty Colemit dem Ziel, uns vom Screen zu lösen, das Handy wegzulegen und wirklich nachzudenken, wurde der Abend zu einer inspirierenden Masterclass in kollektivem Lernen.
Während die Aufmerksamkeitsspannen angeblich schrumpfen und es immer weniger Räume gibt, in denen junge Menschen ihre intellektuellen Interessen im sozialen Miteinander ausleben können, befeuert Lost Property gerade die literarische und intellektuelle Szene unter Gen Z – und beweist, dass wir uns tatsächlich nach mehr Tiefe sehnen, als jeder Algorithmus vermuten lässt.
Ein starkes Line-up aus vier Speaker:innen nahm sich das Konzept der Stille aus völlig unterschiedlichen, teils urkomischen, teils brillanten Perspektiven vor. Hanna Elyse Girmastahl allen die Show, indem sie Rapper Gucci Manekurzerhand in einen feministischen Theoretiker verwandelte und seine Zeile „Ugly girls quiet. Pretty girls riot“ als Aufruf deutete, das passive, schweigende weibliche Idealbild radikal zu verwerfen. Stattdessen forderte sie das Publikum auf, den „femininen Wahnsinn“ der Riot Grrrls der stummen Anpassung von The Little Mermaidvorzuziehen.
Währenddessen zeigte Choreografin Eve Staintonmithilfe filmischer Spannung (Shoutout an Jaws) eindrucksvoll, wie stille Bewegung politische Stereotype sprengen kann, während Claire Marie Healysich dem allzu vertrauten Schmerz des „yapper’s regret“ widmete – diesem Moment, in dem man sofort bereut, den Mund zu weit aufgemacht zu haben. Der Abend endete mit der schönen Erkenntnis, dass es absolute Stille eigentlich gar nicht gibt – nur den kostbaren Raum, in dem wir einander endlich wirklich hören können.
Der vollbesetzte Raum mit klirrenden Gläsern (die sich nach ein paar Weinen zu zerberstenden Gläsern steigerten), klugen Fragen aus dem Publikum und der spürbaren Aufmerksamkeit für jeden Beitrag war eine wunderbare Erinnerung daran, wie sehr wir uns gemeinsam nach Inspiration von außen – und voneinander – sehnen.
Scrollt nach oben für einige Impressionen vom Abend und klickt euch anschließend auf die Miista- und Lost-Property-Websites für mehr Eindrücke.
Außerdem lohnt ein Blick in eine ganz andere Richtung: Blättert durch die Seiten von KUTT, dem legendären lesbischen Kultmagazin.



















