Wird Ube der nächste große Beauty-Trend?
Food-Inspired-Beauty ist überall – aber was passiert, wenn Beauty-Brands kulturelles Essen nur noch zur Ästhetik machen?
Im Jahr 2026 gibt es unzählige Parallelen zwischen dem, was auf unseren Tellern liegt, und dem, was sich auf unseren Bathroom Shelves stapelt. Ob nun bananenduftende Lip Balms oder Mango-Sticky-Rice-Parfum, die Beauty-Welt ist derzeit besonders vernarrt in Food. Deshalb schlagen Beauty-Brands Kapital aus den trendigen Ingredients, die ohnehin schon in unseren täglichen Lattes landen.
Seit Matcha-Cafés gefühlt jede Ecke in Downtown New York City, zog eine ganze Welle an Beauty-Brands nach sich, die grünstichige Lip Masks und erdige Body Sprays auf den Markt brachten – inspiriert von der Zutat und damit eine uralte japanische Tradition in ein Symbol für Pilates-Princess-Wellness verwandelten. Ähnlich verhält es sich mit Ube, einer violetten Yamswurzel von den Philippinen, die einer ganz ähnlichen Entwicklung folgt. Neben Macchiatos bei Starbucks wurde das Gemüse zum Star einer ganzen Huda Beauty-Kollektion und sicherte sich einen Platz im Tower 28-Sortiment an Lip Balms – ohne jedoch irgendwo auf das philippinische Erbe zu verweisen.
Auch wenn Ube weniger bekannt ist als Matcha, erklären Expert:innen, dass Marken vor allem wegen des markanten Lilatons darauf anspringen. “„Die lebhafte violette Farbe von Ube hilft, in einem völlig überlaufenen Markt hervorzustechen. Ein Produkt, das so gut aussieht, wie es performt, hat immer einen Vorteil – und Ube liefert auf beiden Ebenen“, sagt Annabelle Taurua, Beauty-Expertin bei Fresha, gegenüber Hypebae. Auch wenn diese visuell getriebene Strategie in der Vergangenheit in der Beauty-Welt funktioniert hat, steht sie heute im direkten Konflikt mit der Haltung der meisten Beauty-Fans – für sie stehen Transparenz und Zugänglichkeit über allem.
@kristinarodulfo Ich sehe Ube ÜBERALL – von Schlagzeilen in der NYT und bei der BBC bis hin zur Starbucks-Karte … es ist also nur eine Frage der Zeit, bis es auch in den Beauty-Regalen landet. Hier ist, was Beauty-Brands auf keinen Fall tun sollten, wenn sie ein Ube-inspiriertes Produkt entwickeln: Man kann Ube nicht von der philippinischen Kultur trennen – es ist nicht einfach nur ein hübscher lilafarbener Ton. Und wenn du eine Beauty-Brand bist, die auf den Ube-„Trend“ setzen will und Wert auf einen bewussten Umgang legt … CALL ME! Am Ende ist das Beste, was wir tun können, philippinisch geführte Brands wie @Filipinta Beauty zu unterstützen. ♬ original sound – Kristina Rodulfo
So wie Bananen zu künstlich schmeckenden Süßigkeiten und Lip Balms plattgewalzt werden, gerät auch die Übersetzung von Ube in die Beauty-Welt oft zu einer massiven Simplifizierung seines ursprünglichen kulturellen Kontexts. Für philippinische Beauty-Fans ist Ube nicht einfach ein lilafarbenes Aroma, das vage nach Vanille und Kokos riecht – auch wenn Beauty-Brands es gern genau so darstellen –, sondern ein zentraler und klar definierter Bestandteil der philippinischen Küche. „[Ube] kann nicht von der philippinischen Kultur getrennt werden, denn Ube ist philippinische Kultur“, sagt Beauty-Redakteurin Kristina Rodulfo weiter. „Im Beauty-Kontext gilt: Wenn man es richtig machen will, muss man die Philippinen oder die philippinische Kultur erwähnen, wenn man über Ube spricht.“
Da bislang noch keine große Beauty-Brand die philippinischen Ursprünge wirklich treffend repräsentiert hat, empfindet Rodulfo die Ube-Version, die aktuell bei Sephora verkauft wird, als bis zur Unkenntlichkeit verwässert – einzig für ästhetische Zwecke. „Lebensmittel, die kulturell wichtig sind, werden auf eine bloße Farbgeschichte reduziert und ihrer kulturellen Herkunft beraubt. Es [wird] zu einer reinen Ästhetik, ohne wirkliche Intention oder ein Bewusstsein dafür, woher es eigentlich stammt“, sagt sie.
Auch wenn die Matcha-ifizierung von Ube vielleicht unvermeidlich ist, betont Rodulfo, dass Marken die Verantwortung haben, anzuerkennen, woher es kommt. „Der richtige Weg, es zu tun besteht darin, der philippinischen Kultur Respekt zu zollen. Verankert sie im Storytelling, holt philippinische Creators ins Boot, bezieht philippinische Menschen in die Konzeption ein – sei es bei Fotografie, Artwork oder Design“, sagt sie. „Es gibt so viele Möglichkeiten, mit der philippinischen Community zu kollaborieren und die Kultur bewusst und respektvoll einzubeziehen.“
In der heutigen Beauty-Landschaft ist blinde Markentreue selten geworden. Stattdessen suchen Konsument:innen nach Produkten mit echtem Background und Brands, die sich eng mit ihren eigenen Werten decken. Klar also, dass Beauty-Fans sofort den Finger in die Wunde legen, wenn ein kulturell bedeutendes Lebensmittel auf eine hübsche Farbgeschichte reduziert wird. In einer Branche, die von Identität lebt – sollten Marken da nicht deutlich transparenter sein, aus welchen Kulturen sie sich bedienen?



















