Jeden Oktober trifft sich die Kunstwelt in der Stadt der Lichter zur Art Basel Paris. Doch auch jenseits des Grand Palais, wo die eigentliche Messe stattfindet, erwacht die französische Hauptstadt mit einer Vielzahl von Ausstellungen, Pop-ups, Installationen und Partys zum Leben. Egal, ob man es in die gigantische, gewächshausartige Struktur geschafft hat oder lieber die kreativen Ecken der Stadt erkundete – auch abseits des Hauptevents gab es jede Menge zu entdecken.
In diesem Jahr fielen die Feierlichkeiten jedoch etwas kürzer aus, da die Messe aufgrund anhaltender Proteste in der Stadt zwei Tage früher als geplant ihre Türen schloss. Dennoch bewies diese Woche – von immersiven Dinner-Erlebnissen über Late-Night-Clubkultur bis hin zu den kreativen Schwergewichten der Mode, die ikonische Pariser Orte für sich beanspruchten –, dass Kunst nicht in einem Vakuum existiert. Von Miu Mius zum Nachdenken anregender Ausstellung bis hin zum allerersten Open House des Dover Street Market: Hier sind die Highlights einer prall gefüllten, wenn auch verkürzten Pariser Art Week.
Miu Miu und Alice Diop
Zum dritten Mal in Folge kehrte Miu Miu als offizieller Partner des öffentlichen Programms der Art Basel Paris zurück und lud die französische Filmemacherin Alice Diop ein, Geste de Consolation zu präsentieren – eine multidisziplinäre Ausstellung, die die Kraft der Kreativität und Repräsentation Schwarzer Frauen beleuchtet. Das Projekt im Palais d’Iéna vereinte Film, Skulptur, Poesie, Tanz und Musik, um genau diese Themen aufzugreifen. Zu den Highlights zählten Live-Lesungen, eine Bibliothek mit einflussreichen Texten sowie Simone Leighs monumentale Bronzeskulptur „Sentinel (Mami Wata)“. Die Ausstellung trug Diops Vision weit über die Leinwand hinaus und bot eine immersive Reise durch Erinnerung, Widerstand und kreativen Ausdruck.
Dover Street Market Open House
Der Dover Street Market Paris veranstaltete während der Art Basel sein allererstes Open House und lud seine kreative Community ein, die Räumlichkeiten für einen Abend voller Ausstellungen, Installationen, Signierstunden, Performances und exklusiver Produkte zu übernehmen. Das Event bildete den Auftakt zu einer einwöchigen Programmreihe, die die Schnittstelle von Mode, Kunst und Kultur zelebrierte. Auf dem Programm standen unter anderem ein Book Launch samt Signierstunde mit IDEA für Marc Quinns neueste Publikation „Kate By Marc“ (siehe oben) sowie eine Skulptur von Gina Fischli. Hinzu kam die Präsentation von BOVARY, dem ersten Duft von Peer Parfum, der von Fischli und Meisterparfümeur Antoine Lie kreiert wurde – jeder der 500 nachfüllbaren Flakons wurde dafür von Hand bemalt und graviert.
Takeover im Silencio
Einer der renommiertesten Nachtclubs der Stadt, das Silencio, ist die absolute Anlaufstelle für die Kunst- und Modeszene. Der von David Lynch entworfene Club, in dem regelmäßig die wichtigsten Partys der Fashion Week steigen, wartete passend zur Kunstwoche wenig überraschend mit einem hochkarätigen Line-up auf. Fünf Tage lang bot das Silencio in seinen Räumlichkeiten Screenings, Talks, Performances und DJ-Sets sowie eine Ausstellung mit Kayode Ojos Nightlife-Fotografien, die in Zusammenarbeit mit der Sweetwater Gallery präsentiert wurde. Jeder Abend verlief fließend von der Leinwand über die Bühne bis auf die Tanzfläche – für uns der Inbegriff der perfekten Partynacht. Ein ganz besonderes Highlight war die After-Party für den kommenden A24-Film Club Kid.
Dinner inmitten eines Kunstwerks
Der Künstler und Designer Harry Nuriev verwandelte das Restaurant Le Dalí im Le Meurice in „The Stage“, eine immersive Installation, die vom 20. bis zum 25. Oktober zu sehen war. Im Mittelpunkt des Erlebnisses stand der Esstisch: Kunst und Gastronomie verschmolzen im Rahmen von sechs exklusiven Dinners für jeweils nur 24 Gäste. Serviert wurde ein von Nurievs künstlerischer Vision inspiriertes Zehn-Gänge-Menü der Spitzenköche Alain Ducasse und Amaury Bouhours. Abseits der intimen Dinner-Reihe konnten die Besucher die Installation die ganze Woche über auch beim Frühstück, Mittagessen und Afternoon Tea auf sich wirken lassen.
Kunst trifft auf Techno
Am Wochenende schlossen sich der Elektronik-Pionier Richie Hawtin und der zeitgenössische Künstler John Gerrard für ein 24-Stunden-Programm im FVTVR zusammen, das von Samstagmittag bis zum darauffolgenden Mittag stattfand. Als Teil des Reference Festivals vereinte das Event digitale Installationen von Gerrard, einen Talk der beiden Künstler sowie ein von Hawtin kuratiertes Overnight-Line-up, das experimentelle Klänge und bewegte Bilder miteinander verschmelzen ließ. Das Format lud das Publikum dazu ein, die Schnittstelle zwischen zeitgenössischer Kunst und Clubkultur bis tief in die Nacht hinein hautnah zu erleben.