„Die Musik von Jesse Jo Stark ist für all die Mädchen, die zu Hause eine Flasche Rotwein trinken – oder Weißwein, wenn es unbedingt sein muss – und bei süßer, sanfter, trauriger Musik weinen.“ Es ist eine ziemlich treffende Beschreibung für die Singer-Songwriterin, multidisziplinäre Künstlerin und das Chrome Hearts-It-Girl, deren unverkennbare Mischung aus Dark Romance und melancholischem Rock schon immer viel Raum für ein wenig Herzschmerz gelassen hat. Nun präsentiert Stark ihr neuestes Album MUSE – ein zutiefst persönliches Projekt, auf dem sie Verletzlichkeit zulässt und ihr bislang wohl ehrlichstes Songwriting offenbart. Vor dem Release haben wir uns mit der Künstlerin getroffen, um über ihre musikalischen Einflüsse, Studio-Snacks und ziemlich dramatische Rituale vor den Aufnahmen zu sprechen – alles natürlich serviert mit einer gehörigen Portion ihres trockenen, düsteren und todernsten Humors.
Auf die Frage nach ihrem Sound gibt Stark eine für sie typisch ungeschönte Antwort: „Es ist wie Autofahren, während man weint. Es ist düster, klassisch und ein bisschen verrückt“, bevor sie mit einem schiefen Lächeln hinzufügt: „Hör dir einfach das Album an, ich weiß es nicht.“ Was speziell MUSE angeht, beschreibt sie es als eine Mischung aus „Americana, Indie-Rock, Weiblichkeit, Herzschmerz und Wut“ – Worte, die die Balance der Platte zwischen Süße und emotionaler Intensität perfekt einfangen.
Das Album entstand während drei tiefverschneiter Wochen im US-Bundesstaat Colorado. In Aspen reduzierte Stark ihren normalerweise eher cineastischen Sound zugunsten von etwas viel Roherem und Intimerem. Die erste Auskopplung, „Colorado“, gab dabei die Richtung vor: Melancholische Gitarren und ungeschützte Vocals stehen hier ganz im Mittelpunkt. Auf die Frage, was die Zuhörer ihrer Meinung nach dem ersten Hören von MUSE mitnehmen sollen, ist ihre Antwort simpel: „Das Bedürfnis, ehrlich zu sein.“ Sie hat wenig Interesse daran, sich lange zu erklären, und genau das macht den Reiz aus. Über den Schreibprozess von „Colorado“ fügt sie hinzu: „Die Worte flossen einfach so aus mir heraus, weil wir an diesem besonderen Ort waren. Ich habe nicht zu viel darüber nachgedacht. Wie könnte ein Ort, der so aussieht, nicht zu deiner Muse werden?“
Abseits des Herzschmerzes nimmt sich Stark selbst nicht allzu ernst. Ihre idealen Studio-Snacks? „Eine Gemüseplatte, Rotwein und ein paar Hot Tamales. Das war’s.“ Und ihr Ritual vor der Aufnahme gleicht weniger einer Meditation als vielmehr einem emotionalen Zusammenbruch: „Panikattacke, Schreien und Weinen.“ Wer kennt das nicht?
Da jede gute Playlist zum Weinen natürlich auch einen angemessenen Soundtrack braucht, mussten wir abschließend fragen, was Stark eigentlich selbst so hört. Ihre Antwort reicht von Mazzy Star über Zach Bryan und Cleaners from Venus bis hin zu Disney-Soundtracks. Eine eklektische Mischung, und ganz ehrlich: Wir hätten nichts anderes erwartet.