Unter allen großen Modemetropolen gilt London als Hotspot für neue Talente, ungewöhnliche Shows und Designer:innen, die lieber mit Konventionen brechen, als sich daran zu orientieren, wie Mode sein sollte. In der Stadt begannen Karrieren wie die von Alexander McQueen und John Galliano, die das Publikum mit ihren frühen Kollektionen schockierten und in den 1990er-Jahren eine neue Generation repräsentierten. Daran hat sich bis heute nichts geändert.
Der Kalender der London Fashion Week bietet weiterhin Raum für aufstrebende Namen – nicht zuletzt dank Initiativen wie dem NEWGEN-Programm des British Fashion Council und einer Modelandschaft, die weniger von etablierten Modehäusern geprägt ist als jene in Paris oder Mailand. So können Redakteur:innen, Einkäufer:innen und Brancheninsider:innen die Woche ebenso damit verbringen, nach dem Nächsten zu suchen, wie die etablierten Namen zu verfolgen.
Und diese neue Generation macht sich bereits bemerkbar. Von den spitzen Kopfbedeckungen von Gui Rosa, die an KATSEYE zu sehen waren, bis zu den provokanten Slogan-T-Shirts von Geordie Campbell, darunter das inzwischen bekannte „Queer Boy“-Shirt: Diese Designer:innen bereichern Londons Modelandschaft mit einer ganz eigenen Handschrift.
Hier kommt die vollständige Liste der Designer:innen, die man in der Saison Frühjahr/Sommer 2027 im Blick behalten sollte.
Liza Keane
Mit ihrem Laufstegdebüt bei der London Fashion Week im Rahmen der NEWGEN-Initiative des BFC bringt das gleichnamige Londoner Label LIZA KEANE eine unverwechselbare Perspektive in die zeitgenössische Mode. Die Absolventin des Central Saint Martins gründete das Label 2022 und versteht Kleidung als Erweiterung ihrer künstlerischen Praxis. Entstehen skulpturale Pieces wie eine zweite Haut, die das Spannungsverhältnis zwischen Verführung und Stärke ausloten. Nachhaltigkeit steht ebenfalls im Zentrum der Marke: Jede Kollektion entsteht ausschließlich aus upgecycelten Materialien, Deadstock-Stoffen und Naturfasern. Unter Modeinsider:innen hat LIZA KEANE bereits eine treue Fangemeinde – zu ihren Fans zählen FKA twigs und Julia Fox.
Gui Rosa
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Der in East London ansässige portugiesische Designer Gui Rosa verfolgt einen maximalistischen Ansatz im Kunsthandwerk und kombiniert wilde Häkelarbeiten, subversives Tailoring und üppige Verzierungen. Seine Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Männlichkeit, Ornamentik und Performance; abgenutzte Textilien treffen auf aufwendige Handarbeit, die ihm seine Großmutter in Lissabon vermittelt hat. Ob Modekollektionen oder Filmprojekte: Rosa setzt auf Widersprüche und findet Schönheit im Exzess. Die spitzen Hüte des Labels, inzwischen sein Markenzeichen, wurden auch schon an der globalen Girlgroup KATSEYE gesichtet.
Francesca Lake
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Auch die multidisziplinäre Künstlerin und Designerin Francesca Lake gehört zum diesjährigen NEWGEN-Jahrgang und bringt eine Praxis zur London Fashion Week, die sich zwischen Mode, Kunst und Storytelling bewegt. Die Absolventin des Central Saint Martins stammt ursprünglich aus Kingston in Jamaika und arbeitet mit Schnittkonstruktion, Keramik, Installationen, Film und Prosa. Kleidung nutzt sie, um kulturelle Erinnerungen zu erkunden und gelebte jamaikanische Erfahrungen sichtbar zu machen. Ihre Arbeit verbindet akademische Recherche mit sehr persönlichen Erzählungen und schafft immersive visuelle Welten, die die Darstellung karibischer Identität in der zeitgenössischen Mode hinterfragen und erweitern. Und ihre Entwürfe wurden bereits von Größen wie Rihanna, Naomi Campbell und Erykah Badu getragen.
Agro Studio
AGRO Studio verleiht Glamour eine unverkennbar britische Note. Das Design-Duo George Oxby und Angus Cockram gründete das Studio in East London und verbindet traditionelle Techniken wie Korsetterie, Tailoring und Lederhandwerk mit markanten Silhouetten, verspieltem Styling und einer gesunden Portion Respektlosigkeit. Die Entwürfe werden auf Bestellung in kleinen Stückzahlen gefertigt und feiern die transformative Kraft des Sich-Schickmachens: Kleidung, mit der ihre Träger:innen in eine neue Version ihrer selbst schlüpfen können. Diese Mischung aus Sex-Appeal, Präzision und Attitüde hat dem Label bereits eine wachsende Fangemeinde eingebracht; maßgefertigte Looks entstanden unter anderem für RAYE, Madonna, PinkPantheress, Lady Gaga, Zara Larsson und BTS.
Petra Fagerström
Die schwedische Designerin Petra Fagerström lässt die Grenzen zwischen Mode und digitaler Welt verschwimmen. Die Central-Saint-Martins-Absolventin mit Masterabschluss und Gewinnerin des L’Oréal Young Talent Prize ist für ihren experimentellen Umgang mit Textilien bekannt – besonders für ihre charakteristischen Lentikularfalten, die beim Bewegen von transparent zu blickdicht wechseln und mit den Gegensätzen zwischen digital und physisch spielen.
Geordie Campbell
Geordie Campbell gibt zeitgenössischer Herrenmode eine unverkennbar britische Note. Seine Arbeit lotet die Grenzen zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit aus und greift Ideen queerer Identität und des Erwachsenwerdens auf. So entstehen Kleidungsstücke, die zugleich strukturiert und weich wirken. Weil er traditionelle Vorstellungen von Herrenmode zunehmend infrage stellt, zählt Campbell schnell zu den Londoner Designer:innen, die man im Blick behalten sollte. Er steckt außerdem hinter jenen „Queer Boy“-T-Shirts, die man an all deinen Lieblingsstars und -influencer:innen gesehen hat.
Grete Henriette
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Die deutsche queere Künstlerin und Designerin Grete Henriette macht aus Metallarbeiten, Schmuck und filigraner Perlenstickerei tragbare Skulpturen. Inspiriert von historischem Kunsthandwerk, Fundstücken und der Rohheit der Natur, spielen ihre Entwürfe mit Vorstellungen von Schutz, Einschränkung und Transformation. Dieser unverwechselbare Ansatz macht sie zum Liebling einer neuen Generation von Pop-Girlies: Tyla, Addison Rae, KATSEYE, BLACKPINK und Jorja Smith haben ihre Designs bereits getragen.
Leo Prothmann
Der in München geborene und auf Mallorca aufgewachsene Designer Leo Prothmann bringt einen Hauch Reitsport-Glamour in die Londoner Mode. Ausgehend von seiner Kindheit als Turnierreiter verbindet Prothmann die Haltung und Struktur der Reitbekleidung mit einer experimentelleren, glamourösen Sensibilität. So entstehen skulpturale Pieces, die die Grenzen zwischen Herren- und Damenmode verschwimmen lassen. Nach seiner Ausbildung am London College of Fashion und Stationen an der Seite von Rick Owens, Craig Green und Matty Bovan prägen ein intuitiver Umgang mit Farbe und Textur sowie sein Hintergrund in der expressionistischen Malerei seine Kollektionen. Jedes Stück wird im eigenen Londoner Atelier entworfen und gefertigt – mit einem genderfluiden Ansatz beim Anziehen.