Wir trauern um den Verlust Schwarzer Modemarken
Von Cushnie bis Pyer Moss – mangelnde Unterstützung aus der Branche hat einigen der strahlendsten Talente der Modewelt die Zukunft genommen.
Die 2010er-Jahre markierten einen Wendepunkt für Black Luxury. Überall auf der Welt tauchten junge, Schwarze Designer:innen mit revolutionären Kollektionen und Brand-Mottos auf. Jene, die ihre Labels im Jahrzehnt zuvor gegründet hatten, erreichten ein neues Maß an Sichtbarkeit, wurden zu Celebrity-Lieblingen und It-Girl-Essentials. Zwischen 2013 und 2017 betraten Marken wiePyer Moss, PHLEMUNS, Heron Preston, Christopher John Rogers und Off-Whitein die Branche, jede mit einem ganz eigenen Stil und einer unverwechselbaren Geschichte.
Trotz ihres frühen Erfolgs ist von den genannten Labels eines mittlerweile inaktiv, eines nach jahrelangen Rechtsstreitigkeiten nur in kleinerem Rahmen zurückgekehrt, und ein weiteres hat eine umfassende Umstrukturierung und Produktionskürzungen angekündigt. Im Laufe der Jahre sind Black-owned Brands gekommen und gegangen, haben Mainstream-Erfolg erzielt, bevor sie plötzlich einbrachen und – letztlich – ganz schlossen. In einer Branche, in der Schwarze Gesichter in Ateliers und Vorstandsetagen ohnehin rar sind, fühlt sich der Verlust dieser Labels an, als würde man um eine alte Freundin trauern – ein vertrautes Gesicht, das in einer sich ständig wandelnden Landschaft aus hektischen Schauen und überladenen Kampagnen verloren geht.
Wenn es um die plötzlichen und verheerenden Schließungen von Black-Luxury-Labels geht, darfCushnieals eines der ersten großen Verluste nicht fehlen. 2008 unter dem Namen Cushnie et Ochs von Carly Cushnie und Michelle Ochs gegründet, stieg das Label mit raffinierten, klaren und sexy Kollektionen schnell zur Instanz auf. Getragen von allen, vonMichelle Obamabis zu den Kardashians, war ein Kleid von Cushnie auf so gut wie jedem Red Carpet gesetzt.
Eine extrem erfolgreiche Zusammenarbeit mit Target im Mai 2020 sowie die gestiegene Aufmerksamkeit im Zuge der Unterstützung von Black-owned Brands nach den Black-Lives-Matter-Protesten desselben Jahres ließen viele glauben, das Label würde von da an nur noch weiter wachsen. Stattdessen verkündete Cushnie nur wenige Monate später das endgültige Aus ihres gleichnamigen Labels – als Hauptgrund nannte sie finanzielle Schwierigkeiten infolge der COVID-19-Pandemie.
Der Boom von Black-owned Businesses, aber auch die Pandemie, spielten eine entscheidende Rolle sowohl für die Geburt als auch für das Sterben vieler Schwarzer Labels der 2020er-Jahre. 2020 lernten wir Brands wieConnor McKnight und Sunni Sunni. Ein Jahr später wurdeRihannasLuxury-FENTY-Label geschlossen. In den vergangenen fünf Jahren sindTelfar und Theophiliozu festen Begriffen geworden, und Heron Preston verlor zwischenzeitlich die Rechte an seinem eigenen Namen – und gewann sie zurück. Die Höhen wurden ausführlich dokumentiert, doch die Tiefen, mit denen diese Designer:innen konfrontiert sind, werden oft unter den Teppich gekehrt und vom Mainstream kaum wahrgenommen.
Pyer Moss war eines der wichtigsten Labels, das in den letzten zehn Jahren an den Start ging. Mit einer lauten, kompromisslos Blacken Ästhetik brachte Kerby Jean-Raymond etwas völlig Neues in die New Yorker Modeszene und formte rund um sein Label eine Community, wie es sie im Mainstream-Luxus zuvor nicht gab. Bekannt für Slogan-T-Shirts und Hoodies – darunter das ikonische „Stop Calling 911 on the Culture“-Shirt – positionierte sich Pyer Moss genau an der Schnittstelle von Aktivismus und Luxus. Es ging immer um mehr als nur um Kleidung, auch wenn die Pieces selbst ebenfalls begehrenswert waren.
2021 wurde Jean-Raymond der erste Schwarze Designer, der eingeladen wurde, während derParis Couture Weekeine Kollektion zu zeigen. Unter den Augen der gesamten Modewelt nutzte er die Bühne, um Black History zu zelebrieren – mit campigen Entwürfen, die Dinge inszenierten, die von Schwarzen erfunden wurden. Lampenschirme, Ampeln und ein Kopf voller Lockenwickler durchbrachen die gewohnten Couture-Week-Bilder auf eine Weise, wie es nur Pyer Moss konnte.
Was der Raketenstart für Jean-Raymond und Pyer Moss hätte sein sollen, erwies sich als Höhepunkt – danach verblasste das Label langsam in der Versenkung. Statt Runway-Shows auf der New York Fashion Week gab es Pyer-Moss-„Loot-outs“, bei denen unverkaufte Ware auf neue Weise abgebaut wurde: People konnten mit Teilen im Wert von Tausenden Dollar nach Hause gehen, zum Preis von ein paar T-Shirts. Seither ist die Marke inaktiv, ohne neue Produkte und mit einem weitgehend leeren Social-Media-Auftritt. Was einst eines der größten Black-owned Labels der letzten Jahrzehnte war, ist heute nur noch eine Erinnerung.
In derselben Generation wie Jean-Raymond sorgte auch James Flemons’ Label PHLEMUNS, ebenfalls 2013 gestartet, für frischen Wind in der Modewelt. Eine Lieblingsmarke von Künstlerinnen wieSolange und Ravyn Lenae, war PHLEMUNS immer genau die Marke, auf die die coolste Person, die du kennst, schwört. Mit rückenfreien T-Shirts, figurbetonten Tops und Statement-Pieces, die sich spielend hoch oder runter stylen lassen, galt Flemons als eines der meistdiskutierten Talente der neuen Designer:innen-Generation.
Custom Pieces für Solange und unzählige Editorials machten PHLEMUNS in Fashion-Kreisen schnell zu einem der ersten Namen, die man nannte. Doch Ende 2025 kündigte Flemons Veränderungen für das Label an – begleitet von einer Art Flohmarkt in seinen Instagram-Stories. Der Designer erklärte, dass PHLEMUNS grundlegend umgebaut werde, mit selteneren Drops; der Insta-Sale sei eine der letzten Gelegenheiten, eine große Bandbreite jener Entwürfe zu shoppen, die PHLEMUNS bekannt gemacht haben.
Das Tempo, in dem Black-Luxury-Labels schließen, ihre Produktion einschränken oder für lange Zeit inaktiv werden, macht deutlich, wie groß die Lücke bei Finanzierung und Support für diese Designer:innen in einer Branche ist, die sie historisch ausgeschlossen hat. Marken, die von einigen der größten Namen der High Society getragen wurden – First Ladies, preisgekrönten Schauspielerinnen und globalen Superstars – brechen unter finanziellen und strukturellen Belastungen zusammen.
Blickt man auf andere große Marken, die ungefähr zur selben Zeit gestartet sind wieMONSE und AREA, die mit einem vergleichbaren Hype in der Branche starteten, scheinen genau diese Probleme sie deutlich seltener zu treffen.
Auch wenn wir bereits viele Black-owned Labels – große wie kleine – verloren haben, gibt es noch zahlreiche, die unsere Unterstützung verdienen.Hanifa, Theophilio, Christopher John Rogers und Tia Adeolastehen noch. Sie statten Met-Gala-Gäste aus und erobern Herzen auf den Red Carpets. Bei aller Traurigkeit liegt darin auch eine tiefe Freude: Schwarze Designer:innen in überwiegend weißen Räumen aufblühen zu sehen. Dafür zu sorgen, dass diese Leuchttürme nicht erlöschen, ist der nächste Schritt.














