Odessa A'Zion: „Normale Leute sind langweilig“
Wir haben mit der Schauspielerin über alles gequatscht – von Vintage-Fashion über Musik bis hin zu ihrer neuesten Kampagne.
Es gibt nicht viele Menschen in Hollywood, die wirklich das Gefühl haben, ihr eigenes Ding zu machen, aber Odessa A’Zionkommt dem ziemlich nahe. Die Schauspielerin, Musikerin und selbsternannte Fashion-Ikone hat sich den Ruf erarbeitet, konsequent auf ihr Bauchgefühl zu hören – sei es, wenn sie ihre Red-Carpet-Looks selbst zusammenstellt, extrem persönliche Songs veröffentlicht oder eine Karriere formt, die alles andere als vorhersehbar ist.
A’Zion wurde nach ihrer Durchbruchsrolle in Marty Supremevor nur wenigen Monaten schlagartig berühmt und ist seitdem über so gut wie jeden wichtigen roten Teppich gelaufen – von der Met Gala bis hin zu den Filmfestspielen in Cannes, war Mittelpunkt von Perücken-Gerüchten (wie jede Berühmtheit mit großartigem Haar) und macht sich jetzt auch in der Modewelt einen Namen.
Schon nach fünf Minuten Gespräch mit A’Zion ist klar, dass sie wenig Interesse daran hat, zu glattgebügelt zu wirken. Sie ist schlagfertig, reflektiert und erfrischend unverblümt und gibt zu, dass sie schlicht keine Zeit für „stinklangweilige“ Menschen hat. Es ist diese Art von Authentizität, die man nicht mediatrainieren kann – und vielleicht genau deshalb fühlen sich so viele Menschen zu ihr hingezogen.
Jetzt, parallel zur zweiten Staffel von I Love LA und dem kommenden Psychothriller Fonda, schlägt A’Zion mit ihrem Stil ein neues Kapitel auf – als Gesicht der neuesten Kampagne von Crocs. Die Kampagne feiert das „Wonderfully Unordinary“-Ethos der Brand und präsentiert die neu aufgelegte Classic Crafted Clog – eine vegane Wildleder-Version der ikonischen Silhouette, natürlich von A’Zion persönlich gestylt.
Wir haben uns mit dem Multitalent über Mode, Vintage-Schätze, Musikmachen und darüber unterhalten, warum „wonderfully unordinary“ zu sein immer besser ist, als sich anzupassen. Hier gibt es das komplette Interview.
Du bist für deinen einzigartigen Stil bekannt und stylst sogar all deine Red-Carpet-Looks selbst. Wie würdest du deine Ästhetik beschreiben?
Ich weiß nicht warum, aber das ist für mich die schwierigste Frage. Ich habe das Gefühl, sobald ich sie beantworte, stecke ich mich selbst in eine Schublade und klebe ein Label drauf. Aber ich würde sagen, ich lasse mich inspirieren von Rockstars, alten Musikvideos, Filmen – egal ob der Led-Zeppelin-Film oder Back to the Future, oder Hair, oder Harold and Maude. Und dann sind da die Menschen um mich herum, zum Beispiel meine Mitbewohnerinnen. Ich komme aus meinem Zimmer, und sie tragen die ungewöhnlichsten, unglaublichsten Teile, und ich wäre nie auf die Idee gekommen, so zu stylen. Deshalb weiß ich nicht genau, wie ich meine Ästhetik beschreiben würde, weil ich das Gefühl habe, sie verändert sich ständig. Manchmal will ich es einfach bequem, und manchmal bin ich eher bereit, meine Komfortzone zu verlassen, ein kürzeres Top, eine kürzere Hose und vielleicht einen Heel zu tragen, weißt du? Ich glaube, ständig im Wandel – das ist die Ästhetik. Da haben wir’s, wir haben den Namen gefunden!
Ich habe deinen Look bei den Filmfestspielen in Cannes dieses Jahr geliebt. Wie gehst du an die Planung eines Red-Carpet-Looks heran?
Dieser Look war ganz konkret von Jonathan Andersons Dior, den ich für ein Genie halte. Wir kennen uns schon eine ganze Weile. Ich liebe Jonathan. Ich habe das Glück, dass er mich kommen lässt und mir Teile leiht, weil er weiß, dass ich bei Red Carpets alleine arbeite. Er hat mich Sachen anprobieren lassen, und da war eine großartige Schneiderin, die mir geholfen hat, hinten an der Hose und so weiter alles abzustecken. Ich glaube, je mehr Carpet-Looks ich gemacht habe, desto mehr haben die Leute mitbekommen, dass ich keine Stylistin habe – und genau deshalb laden sie mich inzwischen ein, mir Sachen zu leihen. Außerdem habe ich Verleih-Studios entdeckt, wo ich Pieces miete. Es war total spannend, die Feinheiten des Stylings zu lernen.
Du hast erwähnt, dass du mit deinem Stil experimentierst. War das schon immer so, oder hat sich deine Beziehung zu Mode entwickelt?
Es ist wahrscheinlich peinlich zu sagen, dass ich experimentell bin, denn wenn jemand googelt, was ich im Alltag trage, denkt er sich: „Die ist doch null experimentell!“ Aber ich glaube, in der Highschool war ich auf jeden Fall mutiger, weil sich Highschool jeden Tag wie eine Fashion Show angefühlt hat. Es ist so eine Art Wettbewerb, wer das coolste Outfit hat – aber nicht im negativen, sondern im aufregenden Sinne. Seitdem habe ich mich eher abgeschottet und mehr auf Gemütlichkeit als auf Stil gesetzt. Im letzten Jahr bin ich immer wieder hin- und hergependelt zwischen „Ich will es bequem“ und „Ich will etwas tragen, das wirklich gut durchgestylt ist“. Meine kleine Schwester ist darin großartig. Sie hat, finde ich, einen unglaublichen Stil.
Wie süß, Shout-out an deine Schwester.
Ja, an beide!
Du bist das Gesicht der neuen Crocs-Kampagne, die das Motto „Wonderfully Unordinary“ feiert. Was bedeutet dieser Satz für dich?
Ich finde, das ist ein großartiger Satz, wirklich. Und ich glaube, er passt auf viel mehr als nur auf Crocs und Schuhe. Er kann dafür stehen, wer du als Mensch bist, was du mit deinem Leben machst und wie du dich ausdrückst, weißt du? Je un-ordinary du bist, desto besser. Ich will nichts, was langweilig und öde ist. Ich will begeistert, gefordert und interessiert sein, und wenn du ein „wonderfully unordinary“ Mensch bist, dann lebst du genau das. Ungewöhnliche Menschen sind inspirierend – viel inspirierender als gewöhnliche. Gewöhnliche Leute sind einfach boring.
Warum hat sich diese Kampagne gerade jetzt nach dem richtigen Match für dich angefühlt?
Ehrlich gesagt wegen all dem, worüber wir gerade gesprochen haben. Ich mag, dass Crocs all das wichtig ist – und gleichzeitig Komfort an erster Stelle steht, was superwichtig ist. Es geht ihnen auch um Selbstentfaltung und ein bisschen um dieses Kindheitsgefühl. Ich liebe Crocs einfach.
Du trägst viele Secondhand-Teile. Was war dein bester Vintage-Fund aller Zeiten?
Oh, gute Frage. Inzwischen kenne ich mich mit Online-Vintage-Shopping ein bisschen aus, und ich habe das Gefühl, man kann quasi alles finden. Aber bevor ich Online-Vintage für mich entdeckt habe und einfach nur in die Läden gegangen bin, war das Verrückteste, was ich je gefunden habe, glaube ich … Ich habe früher irre gute Kameras in den Goodwills in meiner Nachbarschaft gefunden, und ich denke, die Leute wussten gar nicht, was das für Kameras sind – also habe ich sie für fünf Dollar mitgenommen. In der Highschool habe ich eine Canon AE-1 für zehn Dollar ergattert, was mega war. Auf einem Flohmarkt habe ich mal einen Vintage-Deadstock-Gitarrengurt gefunden, den ich immer noch an meiner Kamera habe. Ich weiß nicht, ob das der verrückteste Fund ist, aber es ist vielleicht das einzige Teil, das ich je gekauft habe, das ich wirklich jeden Tag benutze – und weiter jeden Tag benutzen werde.
Du erkundest Musik auch als weitere kreative Ausdrucksform. Wie ermöglicht dir Musik, dich auszudrücken – auf eine Art, die Schauspielerei und Mode nicht können?
Oh mein Gott, Musik ist für mich etwas völlig anderes. Meine Musik fühlt sich an wie mein Tagebuch und mein echtes Ventil – sie ist so persönlich. Beim Schreiben lasse ich so viel los, lasse einfach alles raus, was kommt. Für mich ist Musik eine intimere Form des Selbstausdrucks als Schauspiel und Style, weil ich es alleine mache und meinem Kopf erlaube, zu sagen, was er will, ohne dass jemand anderes dabei ist. Weißt du, was ich meine? Es ist im Grunde wie Tagebuchschreiben. Niemand ist da, um dich zu beurteilen oder dir zu sagen, was du sagen sollst.
Zum Schluss: Was steht als Nächstes bei dir an?
Ich habe gerade die Dreharbeiten zu Fonda in Frankreich abgeschlossen und starte jetzt in die zweite Staffel von I Love LA. Ich freue mich extrem darauf, wieder mit dem Cast vereint zu sein, und die Drehbücher sind urkomisch. Natürlich würde ich mir wünschen, dass dieses Jahr auch noch mehr Musik von mir kommt. Nachdem ich die ersten zwei Songs rausgebracht hatte, hatte ich keine Zeit, irgendetwas mit ihnen zu machen oder sie zu promoten, aber es war mir einfach wichtig, sie in die Welt zu entlassen. Und hoffentlich kann ich dieses Jahr mehr ausarbeiten und mit den Leuten teilen – auch wenn es sich ein bisschen scary anfühlt!



















