The Body Issue: Essie Golden über BHs, Körper und die blinden Flecken der Branche

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Essie Golden

Wird Gewichtsverlust zur Hexenjagd? Davon ist die Plus-Size-Modeexpertin Essie Golden überzeugt. Als Verfechterin einer vielfältigeren Körperrepräsentation in der Mode und BH-Expertin hat Golden ihre Karriere darauf aufgebaut, sich für inklusive Größenangebote und Passformen einzusetzen. Seit den frühen 2010er-Jahren hilft sie Menschen, sich durch Mode, Passformwissen und Aufklärung über BHs in ihrem Körper wohler zu fühlen. Noch immer drängt sie die Branche zu echter Größeninklusion.

Für The Body Issue spricht sie darüber, was die Branche in Sachen Plus-Size-Mode und üppigere Oberweiten noch immer falsch versteht, warum die BH-Größe wichtiger ist, als viele denken, und weshalb die Entwicklung bei der Repräsentation nach dem Schwung der frühen 2020er-Jahre ins Stocken geriet.

Lesen Sie das vollständige Interview.

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Was verstehen viele Menschen falsch, wenn es um Plus-Size-Mode geht?

Viele Marken gehen davon aus, dass Plus-Size-Frauen keine hochwertigen oder modisch aktuellen Stücke wollen, kein Geld ausgeben und sich alle möglichst vorteilhaft kleiden oder schlanker aussehen möchten. Plus-Size-Frauen lieben Mode. Wir wollen Qualität, Auswahl und Kleidung, die unseren persönlichen Stil widerspiegelt – nicht bloß das, was andere meinen, dass wir tragen sollten.

Was verstehen viele Menschen bei BH-Größen und Passformen falsch?

Rund 80 % der Frauen tragen die falsche BH-Größe. So viele Frauen laufen herum, hassen ihren Körper oder geben ihrem Outfit die Schuld, obwohl ihnen schlicht die richtige Basis fehlt. Der richtige BH kann Ihre Silhouette, den Sitz Ihrer Kleidung, Ihre Konfektionsgröße und Ihr Selbstbewusstsein völlig verändern. Ich sage immer: „Nicht dein Körper ist das Problem, sondern dein BH.“

Wie werden üppigere Oberweiten derzeit in der Mode wahrgenommen?

Frauen mit üppigerer Oberweite werden oft automatisch hypersexualisiert. Statt die Mode zu sehen, sehen die Menschen zuerst die Brüste. Einige meiner größten Stil-Ikonen hatten eine üppigere Oberweite: Toccara, Anna Nicole Smith, Pamela Anderson, Dolly Parton, sogar Tyra Banks zeitweise.

Bei Schwarzen Frauen mit üppigerer Oberweite wird diese Hypersexualisierung häufig noch verstärkt. Das ist einer der Gründe, warum ich es liebe, Olandria auf dem roten Teppich zu sehen. Sie steht ganz selbstverständlich zu ihrer üppigeren Brust und scheint sich nicht darum zu kümmern, ob sich andere damit wohlfühlen. So nach dem Motto: Ja, üppigere Brüste in Versace. Kommt damit klar. Auch eine üppigere Oberweite kann High Fashion sein.

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Warum werden sie so anders wahrgenommen als kleinere Oberweiten?

Fettfeindlichkeit. Eurozentrische Schönheitsideale haben Schlankheit lange als Ideal gesetzt. Brüste werden ständig gefeiert – solange sie am „richtigen“ Körper sind.

Gab es Ihrer Erfahrung nach einen Zeitpunkt, an dem Sie das Gefühl hatten, dass sich Inklusion und Körpervielfalt in der Branche zum Besseren entwickelten?

Etwa von 2019 bis 2022 fühlte es sich wirklich so an, als würde sich die Branche verändern. Es gab eine echte Dynamik rund um Inklusion, und das mitzuerleben war wunderschön. Es schien, als zahle sich die Arbeit aus, die so viele Aktivist:innen, Kreative und Models geleistet hatten.

Es gab die Savage X Fenty Fashion Show, die Kampagnen von Dove mit nicht retuschierten Frauen und Marken wie Abercrombie, die ihr Angebot auf Plus Sizes ausweiteten. Wohin man auch sah: mehr Körpertypen, mehr Größen und mehr Menschen, die sich endlich in der Mode wiederfinden konnten. Es war nicht perfekt, aber es fühlte sich an, als gingen wir in die richtige Richtung. Es war eine aufregende Zeit, und ich hoffe, die Branche findet zu einem solchen Engagement zurück.

Wie steht es 2026 um Größeninklusion? Hat sie sich weiter verbessert?

Ich habe das Gefühl, wir kehren dorthin zurück, wo wir angefangen haben. Ehrlich gesagt: Vielleicht müssen wir das sogar. Ich habe 2012 in dieser Branche angefangen. Viele von uns Plus-Size-Creatorinnen der ersten Stunde haben sich als Community zusammengeschlossen und Marken dazu gedrängt, besser zu werden und inklusiver zu handeln. Wir haben Marken in die Verantwortung genommen, weil wir wussten, wie wichtig Repräsentation ist.

Irgendwann begann dieses Gemeinschaftsgefühl zu verschwinden. Viele der jüngeren Frauen kamen in eine Branche, die bereits inklusiver war, deshalb gab es nicht dieselbe Dringlichkeit, dafür zu kämpfen. Abgesehen von einigen wenigen Creator:innen sehe ich heute kaum noch so viel Einsatz für Größeninklusion – und ich glaube, das macht sich bemerkbar.

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Wie haben das Comeback von „Heroin Chic“ und Injektionen wie Mounjaro und Ozempic die Art beeinflusst, wie wir über Größe sprechen?

Es hat gezeigt, dass Body Positivity eher als Trend denn als Bewegung behandelt wurde. Wir haben uns viel zu sehr daran gewöhnt, die Körper anderer zu kommentieren. Statt einfach zu akzeptieren, dass sich Körper verändern, haben wir Gewichtsverlust zur Hexenjagd gemacht und versuchen ständig herauszufinden, wie oder warum jemand abgenommen hat. Ich finde nicht, dass uns irgendjemand eine Erklärung für seinen Körper schuldet. Ob jemand zunimmt, abnimmt, Medikamente nimmt oder sich operieren lässt, geht nur diese Person etwas an. Für mich ging es nie darum, dass ein Körpertyp einen anderen ersetzt. Das Ziel war immer, mehr als einen Körpertyp repräsentiert zu sehen.

Woher wird Ihrer Meinung nach eine bedeutungsvolle Veränderung bei der Repräsentation von Körpern am ehesten kommen?

Als ich meine Karriere begann, waren es Indie-Marken, die lange bevor viele große Marken nachzogen, fröhliche, schicke und trendige Kleidung in erweiterten Größen anboten. Diese unabhängigen Designer:innen sorgten dafür, dass die größeren Marken aufmerksam wurden.

Repräsentation wird entstehen, wenn die Menschen es leid sind, immer dasselbe zu sehen. Durch KI, Filter und eine immer einheitlicher werdende Ästhetik beginnen alle, gleich auszusehen. Gleichzeitig fahren Marken ihr Angebot in erweiterten Größen zurück, und Geschäfte schließen. Manchmal muss etwas erst verschwinden, bevor den Menschen klar wird, wie wichtig es war. Ich glaube, die Menschen fühlen sich unwohl, aber noch nicht unwohl genug. Echte Veränderung geschieht meist, wenn Menschen anfangen, Besseres einzufordern, statt das Vorhandene zu akzeptieren.

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