Leo Prothmann brachte für seine Präsentation der Frühjahr/Sommer-Kollektion 2027 Kirchners Kunst zur London Fashion Week. Seine Kollektion „Marcella“ setzte Kirchners Gemälde „Straßenszene Berlin“ von 1913 in einen Dialog mit dem Londoner Nachtleben des Jahres 2026 – eine Verbindung, die gleichermaßen bewusst gesetzt wie dekorativ wirkte.
Die Show fand auf der Jurema Terrace des The Mandrake Hotel statt – ein Ort, an dem Prothmann bereits präsentiert hat und der inzwischen Teil der Geschichte der Marke ist. Für die Kollektion griff Prothmann auf alte Kleidungsstücke und Materialien zurück: auf sein eigenes Archiv ebenso wie auf Deadstock-Stoffe. Das Team holte fünfzig Kilogramm Deadstock-Denim aus einem Lager und zerlegte, bearbeitete und verwandelte ihn über Monate hinweg in neue Silhouetten. Leder von Muirhead, ursprünglich für die Interieurs von Aston Martin entwickelt, wurde in der gesamten Kollektion zu Outerwear und Accessoires verarbeitet. Das für Fahrzeuginnenräume gefertigte Leder sorgte für eine robuste Silhouette, ohne jene charakteristischen Outerwear-Formen einzubüßen, für die Prothmann zunehmend bekannt wird.
An anderer Stelle war Swimwear von Carmela Dias unter den zerstört wirkenden Strickteilen der Looks zu sehen. Masken, die gemeinsam mit Hedi Xandt entworfen wurden und auf den gemalten Gesichtern in Kirchners Werk basierten, verliehen mehreren Looks eine grafische, überzeichnete Note. Schmuck von Karwea zeigte sich industriell, während das Styling von Edda Gudmundsdottir die unterschiedlichen Materialien und Referenzen zusammenführte. Bei den Schuhen wurden Archivmodelle von Rick Owens mit Markierungen neu bemalt, die den Animal-Print-Kleidern in Kirchners Gemälden entnommen waren. So wirkten sie rauer und instinktiver als die Originale.
Mehr zur London Fashion Week erfahren Sie in unserem SS27-Überblick.