Ins Unendliche: Susan Fangs FW26-Kollektion ist ein Hightech-Liebesbrief an das Handwerk
Die Londoner Designerin vereint „Future Craft“ mit Familientradition – für ihre bislang ambitionierteste Show in Shanghai.
Nur wenige Erlebnisse fühlen sich so natürlich berauschend an wie das Gefühl, eineSusan-Fang-Kollektion live zu erleben. Auf den ersten Blick sind es Berge aus Tüll, Pastelltönen und Blüten. Doch wer genauer hinsieht, taucht in den Kopf einer Designerin ein, die tief mit dem sozialen, technologischen und kulturellen Zeitgeist unserer Ära verbunden ist.
Für die Fall/Winter 2026, kam sie zur Shanghai Fashion Weekmit einer neuen Kollektion namens „Air-Infinity“, dem direkten Nachfolger des bisherigen „Air-Evolution“-Auftritts der Brand. In dieser Saison trieb Fang ihre charakteristische Schleifen- und Bänderarbeit bis an den logischen Zerreißpunkt. „Wir haben extrem viele Bänder verwendet und sind komplett ans Limit gegangen“, erzählte die Designerin und erklärte, dass der fehlende formale Schnittkurs ihrer Mutter das Team dazu brachte, die Teile ausschließlich aus Stoffstreifen zu konstruieren. Doch die Schleifen und Rüschen täuschen: Diese Kollektion ist keine verspielte Tagträumerei. Mit Blick auf ihre Entscheidung für eine hyper-süße Ästhetik sagte Fang: „Wir verehren den Kapitalismus zu sehr. Wir haben den Gipfel dieses Ehrgeizes erreicht, also wollte ich ins Süße gehen.“ Dies spiegelt sich auch im von XL+ Architects gestalteten Set wider – ein silberner Spiegel, der das Publikum dazu bringen soll, den aktuellen Moment zu hinterfragen.
Ein Keypiece setzt auf aquarellige Pastell-Verläufe und Glückskleeblätter, die wie Schmetterlinge wirken. „Meine Mutter hilft mir bei diesem Kleid“, erzählt Fang. „Sie hat bereits über 1.000 handgefertigte Schmetterlinge aus Resin gemacht. Insgesamt hat es zwei Wochen gedauert, mit fünf Leuten, die daran gearbeitet haben.“ Im Scheinwerferlicht des Runways sollen diese Details wie schwebendes Glas wirken.
Technologie bleibt der Motor für Fangs Erforschung von „future craft“. Nach einem Besuch im Beijing Imperial Palace verspürte die Designerin den Impuls, verlorene Handwerkstraditionen mithilfe rechnergestützter Gestaltung wiederzubeleben. „Ein Teil der Brand steht für Handwerk, ein Teil für Technologie“, erklärt sie. „Uns ist wichtig, dass Technologie, wo immer wir sie einsetzen, im Einklang mit der Natur steht.“
Diese Philosophie zeigt sich in dieser Saison besonders deutlich im Schuhwerk, für das die Brand mit Bambu Lab zusammengearbeitet hat, um 3D-gedruckte,Spiral-Flats im „ice cream swirl“-Look zu kreieren. Die aus TPU gedruckten Kicks wurden von Hand eingefärbt, um präzise Farbnuancen zu erzielen – ein weiterer Ausbau ihrer „future-craft“-DNA.
Die Brand erweiterte ihre Reichweite zudem durch große globale Kollaborationen. Eine „Peach Blossom“-Serie mit Melissa zeigt skulpturale Blütenblätter und transparente Farbverläufe, während eine „Infinity in Bloom“-Kollektion mit CASETiFYFangs „Bubble“-Ästhetik auf Tech-Accessoires überträgt. Um die Brücke zwischen Runway und kommerziellem Drop zu schlagen, entwarf Fang eigens für die Show eine spezielle „Phone Case Bag“, in der die Kollaborationsstücke präsentiert werden.
Zwischen der Präzision 3D-gedruckter Rillen und handaufgenähter Perlen haucht Fang der Maschine Leben ein – und beweist, dass Technologie zugleich zuckersüß und radikal aufsässig sein kann.
Mehr Berichterstattung zur Shanghai Fashion Week gibt es in unserer FW26-Review.



















