Ist Basketball der neue Lieblingssport der Mode?
Jahrelang dominierte Fußball Kultur und Mode – jetzt könnte Basketball zu seinem größten Konkurrenten um die Aufmerksamkeit der Branche werden.
Was ist derzeit die modischste Sportart der Welt? Fußball, oder? Das „Beautiful Game“ hat in den vergangenen Jahren einige der größten Modetrends und -momente angestoßen und erlebte kurz vor der FIFA-Weltmeisterschaft 2022 ein überraschendes Revival in der Alltagsgarderobe. Seither ist der Sport aus der Modewelt kaum wegzudenken – doch seine Dominanz in unserer Stilwelt könnte allmählich nachlassen.
Angefangen hat alles mit blokecore. Im Vereinigten Königreich teilten einige Leute auf TikTok Looks, die von der Fußball-Hooligan-Kultur inspiriert waren: Retro-Trikots zu Sambas, Gazelles und Spezials von adidas. Der Hooli-Chic explodierte beinahe über Nacht, eroberte Europa, Afrika und Asien – und schließlich auch das fußballerische Niemandsland: die Vereinigten Staaten.
Die Spuren von blokecore prägen unsere Garderoben bis heute. Sambas und andere schlanke Silhouetten, die britische Fußball-Casuals in den 70er- und 80er-Jahren populär machten, dominieren weiterhin die Schuhwelt. Umklappbare Zungen und Sneaker mit dezent profilierten Sohlen zitieren Fußballschuhe – und wer durch eine Großstadt läuft, sieht mit großer Wahrscheinlichkeit jemanden im Trikot, der noch nie von Aston Villa oder AS Roma gehört hat.
Während blokecore das „Beautiful Game“ in die Welt getragen hat – insbesondere in die USA –, scheint nun Amerika an der Reihe zu sein, einen seiner größten Sportexporte mit der Modeszene zu teilen.
Nach dem Knicks-Meistertitel in New York, der die ganze Welt in Blau und Orange hüllte, kristallisiert sich Basketball langsam als einer der stärksten Anwärter heraus, Fußball den modischen Thron streitig zu machen. Wer an den Trickle-down-Effekt der Mode glaubt und auf den Laufstegen nach Inspiration sucht, um dem Trendzyklus voraus zu sein, erkennt einen deutlichen Fokuswechsel gegenüber den fußballdominierten Catwalks von vor einigen Jahren.
Trotz des Hypes um die WM 2026 setzen Marken jetzt voll auf Basketball. Willy Chavarria hat Basketball schon immer in seine sportlicheren Entwürfe einfließen lassen – von seiner fußballlastigen Herbst/Winter-Kollektion 2026 einmal abgesehen: mit langen Mesh-Shorts, edlen Trikots und einer NBA-All-Star-Weekend-Kollaboration mit adidas Anfang dieses Jahres.
Balenciaga präsentierte zur Überraschung vieler seine erste Kollaboration mit der NBA. Zwar ist die Marke bei zahlreichen Athlet:innen beliebt, doch Balenciaga und Basketball wurden bisher selten in einem Atemzug genannt. Mit Chicago-Bulls-Farben und oversized Shorts war die Hinwendung von Pierpaolo Piccioli und Balenciaga zur Liga vielleicht der deutlichste Weckruf.
Kürzlich präsentierte Jonathan Andersons Dior eine eigene Interpretation eines Parkett-Klassikers. Statt auf offensichtliche Verweise auf den Sport zu setzen – Mesh, lange Shorts, neu interpretierte Trikots und Bomberjacken –, ging Anderson in der Zeit zurück und gestaltete eines der prägenden Elemente des Sports neu: den Basketball-Sneaker.
Mit dem Hooper Trainer bringt Dior einen klassischen, von den 80ern inspirierten Sneaker heraus, der an die Ära von Larry Bird und Kareem Abdul-Jabbar erinnert. Anderson zeigt damit, wie Marken Basketball neu denken und den Sport in ihre eigene Designsprache übersetzen können. Seine zurückhaltende Neuinterpretation des Basketballs könnte der erste Dominostein sein – ähnlich wie einst die Vintage-Trainingsanzüge und Trikots von blokecore.
Doch nicht nur die Marken stehen im Fokus: Auch die Athlet:innen selbst sind zu den liebsten Botschafter:innen der Mode geworden. Victor Wembanyama verpasst keine Louis-Vuitton-Show, und Bayou Barbie Angel Reese hat sich schnell zu einer der gefragtesten Athletinnen in Mode und Beauty entwickelt.
Was dem Fußball fehlt – Tunnel Walks und die kreative Freiheit, die Spieler:innen in der NBA und WNBA genießen –, nutzt Basketball voll aus. Indem sie ihre Kreativität und ihren persönlichen Stil zeigen, sind Spielerinnen wie Hailey Van Lith, Natasha Cloud und Paige Bueckers zu Modevorbildern und Werbegesichtern ihrer Lieblingsmarken geworden.
Reese war inzwischen dreimal bei der Met Gala und brachte gemeinsam mit Reebok sogar einen Angel Reese 1 heraus, der von dem ersten Kleid inspiriert war, das sie zur größten Nacht der Mode trug. Ihr Auftritt bei der Victoria’s Secret Fashion Show im vergangenen Jahr hatte ihren Status als eine der stilvollsten Sportlerinnen der Welt bereits gefestigt. Doch je häufiger sie in der Front Row der Fashion Weeks und auf den wichtigsten roten Teppichen zu sehen ist, desto klarer wird: Reese und ihr Einfluss sind einzigartig.
Nach der Weltmeisterschaft freuen sich einige Menschen in den USA darauf, ihre neu entdeckte Liebe zum Fußball weiter auszuleben – doch das gilt nicht für alle. Nach Monaten des Aufbaus und endlosem Fußball, wie ihn die breite Bevölkerung des Landes zuvor nicht erlebt hatte, ist eine gewisse „WM-Müdigkeit“ zu erwarten.
Hier kommt Basketball ins Spiel – vertraut und unkompliziert. Basketball war schon immer modisch, doch mit dem erwarteten Fokuswechsel vom „Beautiful Game“ aufs Parkett könnten uns im kommenden Jahr und darüber hinaus vermehrt Looks erwarten, die vom Hallenboden inspiriert sind.
Los ging es schon in diesem Sommer, als Basketball-Shorts die Social-Media-Feeds eroberten. Doch nach dem historischen Knicks-Sieg und den wachsenden weltweiten Fangemeinden von WNBA und NBA könnte „hoopscore“ 2026 durchaus zu TikToks neuer Obsession werden.



















