Laufey lässt ihr isländisches Erbe in eine Kollektion mit 66°North einfließen
„Es ging darum, eine Atmosphäre zu erschaffen, die man tragen kann.“
Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt und von Eis geformten Landschaften Island beherrscht seit Langem die Kunst der Outerwear-Pieces. Seit nunmehr einem Jahrhundert 66°Northgehört zu den Marken, die die Menschen dort vor den Elementen schützen – und das mit unverwechselbarem Stil. Zum 100-jährigen Jubiläum läutet das Heritage-Label nun das nächste Kapitel mit einer limitierten Capsule-Kollektion ein, entworfen gemeinsam mit Grammy-prämierten Künstlerin Laufey.
Für Laufey fühlt sich die Zusammenarbeit weniger wie ein flüchtiger Fashion-Moment an, sondern vielmehr wie eine Heimkehr. In Island aufgewachsen und ihre gesamte Kindheit über in 66°North gekleidet, bringt die Künstlerin eine emotionale Intimität in das Projekt ein, die weit über reine Ästhetik hinausgeht. Verwurzelt in ihrer tiefen Verbindung zu ihrem isländischen Erbe, entstand die Kollektion gemeinsam mit dem Team der Marke sowie ihrer Zwillingsschwester und Creative Director Junia – mit dem Anspruch, jedes Detail persönlich und absolut wahrhaftig zu ihrer Welt zu gestalten.
Kannst du uns ein bisschen über deine Kollektion mit 66°North erzählen? Wie ist diese Kollaboration entstanden – und was bedeutet sie dir persönlich?
Die Kollektion mit 66°North ist aus einer gemeinsamen Liebe zu Island und zum Storytelling entstanden. Ich trage die Marke seit meiner Kindheit, deshalb fühlt sich alles unglaublich persönlich an. In dieser Kollaboration geht es darum, Schutz und Poesie miteinander zu verweben. Sie bedeutet mir viel, weil sie meine Herkunft ehrt.
Island ist ein so zentraler Teil deiner künstlerischen Identität. Wie hat es sich für dich persönlich angefühlt, mit einer der ikonischsten Marken des Landes zusammenzuarbeiten?
Es fühlte sich wie eine Heimkehr an. Island hat mein Gefühl für Dimensionen, Stille und Resilienz geprägt. Mit einer so ikonischen isländischen Marke zu arbeiten, war für mich, als würde ich diesen Teil von mir in einem neuen Medium sichtbar machen.
Gab es bestimmte Erinnerungen oder persönliche Referenzen, die die Kollektion beeinflusst haben?
Ich musste immer wieder an Spaziergänge in meiner Kindheit denken – bei unberechenbarem Wetter, in Schichten eingehüllt gegen den Wind, und an den dramatischen Kontrast zwischen Weichheit und vulkanischen Landschaften. Diese Erinnerungen haben die Texturen und Farbstimmungen der Kollektion geprägt.
Du bist bekannt für deine zarte, romantische Ästhetik. Wie hast du diese mit der technischen Seite von 66°North in Balance gebracht?
Ich habe den Kontrast bewusst gesucht. Die Stoffe sind performance-orientiert, doch die Silhouetten und das Styling wirken weich und nostalgisch. Ich wollte nicht mit dem technischen Erbe konkurrieren, sondern es sanft umspielen. Diese Spannung ist zum Herzstück der Kollektion geworden.
Du bist zwischen verschiedenen Kulturen und Klimazonen aufgewachsen – wie hat das deinen heutigen Stil geprägt?
Der Wechsel zwischen Klimazonen und Kulturen hat mich anpassungsfähig gemacht. Mein Stil spiegelt diese Balance aus Pragmatismus und Romantik wider. Ich fühle mich zu Stücken hingezogen, die zeitlos wirken und gleichzeitig funktional sind. Ich glaube, das hängt direkt damit zusammen, dass ich in Island aufgewachsen bin und zugleich chinesisches Erbe in mir trage.
Deine Zwillingsschwester Junia spielt eine Schlüsselrolle in deiner Musikkarriere und bei der Entwicklung deiner Ästhetik. Wie war es, gemeinsam an dieser Kollektion zu arbeiten?
Mit Junia zu arbeiten, fühlte sich ganz intuitiv an. Wir teilen eine gemeinsame Bildsprache aus unserer gemeinsamen Kindheit. Sie treibt Ideen oft konzeptionell weiter, während ich mich auf die emotionale Tonalität konzentriere. Es fühlte sich nach echter Kollaboration an, nicht nach klarer Aufteilung.
Habt ihr zwei eine ähnliche Designsprache – oder wird viel diskutiert?
Wir haben ähnliche Instinkte. Manchmal wünscht sich eine von uns etwas Dramatischeres, während die andere Zurückhaltung bevorzugt – aber dieses Hin und Her stärkt das Ergebnis am Ende nur.
Deine Musik ist sehr persönlich und von tiefem Storytelling geprägt. Wie hast du das ins Design übersetzt?
Ich bin an die Kollektion herangegangen wie an ein Album. Es gab eine Stimmung, einen Schauplatz und eine Figur vor meinem inneren Auge. Anstelle von Melodien habe ich mit Stoffen und Silhouetten gearbeitet. Es ging darum, eine Atmosphäre zu schaffen, die Menschen tragen können.
Hast du ein Lieblingsstück aus der Kollektion?
Mich ziehen besonders die Outerwear-Pieces an. Sie wirken wie die klarste Übersetzung des Konzepts: schützend und strukturiert und dennoch weich im Wesen.
Kannst du dir vorstellen, in Zukunft weiter in Modedesign oder Kollaborationen einzutauchen?
Wenn es sich stimmig und bedeutsam anfühlt, ja. Ich würde niemals nur um des Designs willen entwerfen. Aber ich bin neugierig darauf, meine künstlerische Welt weiter in unterschiedliche Formen auszudehnen.



















