Wenn du noch nie von einer Food-Designerin gehört hast, musst du Aprís kennenlernen
Berühmt für ihre monochrome Ästhetik und ihren High-Fashion-Vibe, nimmt uns die Pariser Kreative mit in ihr essbares Universum.
Eine Balenciaga City Bag, ein Aschenbecher voller Zigaretten, eine Austernschale … lauter Dinge, über die man stolpert, wenn man durch den Feed der Food-Stylistin Alina Prokopenko auf Instagram scrollt – nur dass hier alles aus Kuchen besteht.. Besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Aprís, ist Alina eine Food-Designerin, die bereits mit einigen der einflussreichsten Modehäuser der Branche gearbeitet hat – von Miu Miu bis Valentino.
Alina verwischt die Grenzen zwischen Mode, Kunst und Patisserie und nähert sich Styling mit der Präzision einer Chirurgin und der Fantasie einer surrealistischen Malerin. Ausgebildet als Pâtissière und doch intuitiv weit über die Grenzen einer klassischen Küche hinausgezogen, verwandelt die in Paris beheimatete Kreative Geschmack und Emotion in skulpturale Kompositionen – immer mit einer Prise ihres schwarzen Humors.
Von Butter-Computern bis hin zu essbaren Pässen erforscht die Künstlerin, wie Essen performen kann – nicht nur als Nahrung, sondern als Bild und Erzählung. Wir haben mit der Food-Stylistin darüber gesprochen, wie sich Mode in Geschmack übersetzen lässt, über die wachsende Liaison zwischen Laufstegen und Küchen und warum Handarbeit heute wichtiger ist denn je. Lies weiter für das komplette Interview.
Wie bist du zum Food-Styling gekommen?
Als ich anfing, als Pâtissière zu arbeiten, habe ich schnell gemerkt, dass eine traditionelle Küche nicht mein Platz ist. Mode hat mich immer fasziniert, blieb aber lange getrennt von meiner Leidenschaft fürs Kochen. In dem Moment, in dem ich gelernt habe, Visionen in essbare Formen zu übersetzen, habe ich meinen Stil gefunden – und die Brands kamen auf mich zu.
Welches ist dein Lieblingsprojekt, an dem du gearbeitet hast?
Ich stürze mich immer komplett in jedes Projekt, und sie sind alle so unterschiedlich, dass es schwer ist, nur eines herauszugreifen. Wenn ich mich aber entscheiden müsste, wäre mein Favorit das Food- und Drink-Pairing, das ich für die Balenciaga-ParfumKollektion entwickelt habe. Es war ein sehr feiner Prozess, bei dem der Charakter jedes Dufts in etwas Greifbares übersetzt wurde – Geschmack und visuelle Präsentation mussten perfekt ineinandergreifen. Die Parfums sind eng mit der Geschichte des Hauses verbunden, deshalb war dieses Projekt etwas ganz Besonderes.
Warum passen Food und Fashion deiner Meinung nach so gut zusammen?
Food war schon immer Teil des Gastgebens und bringt Menschen zusammen, während Modehäuser tief in Inszenierung verwurzelt sind. Die Idee der Präsentation ist zentral geworden, um ein ganzheitliches Erlebnis zu schaffen – mit perfektem Licht, Dekorationen und eben auch Essen. Insofern ist diese Verbindung nur logisch.
Außerdem sind in einer KI-getriebenen Welt Handwerk und menschliche Handschrift gefragter denn je. Ein persönlicher Ansatz, Emotionen und die Story hinter einem Gericht lassen sich nicht automatisieren. Ich glaube, Marken wollen echte, menschliche Beziehungen zu ihrem Publikum aufbauen – und Food ist ein kraftvoller Weg, genau diese Verbindung herzustellen.
Food erdet Mode, und Mode lässt Food luxuriöser wirken. Es bringt einfach eine weitere Dimension an den Tisch – und macht Spaß!
Wo findest du deine Inspiration?
Mich inspirieren Alltagssituationen, vor allem, wenn etwas Unerwartetes passiert. Natürlich auch Kunst, Fotografie, Film und Mode. Ich denke eher in Bildern als in Worten – ich bin ein sehr visueller Mensch. Intensive Emotionen, positive wie negative, können mich ebenso zu einer Dinner-Idee oder einem Food-Szenario inspirieren.
Was ist deine aktuelle Food-Obsession?
Lakritz!
Was ist das Verrückteste, das du je gemacht hast?
Ein Butter-Computer in Originalgröße samt Tastatur, ein essbarer Pass, eine TV-Torte, ein Hähnchen-Dessert … es ist schwer, sich da auf nur eines festzulegen!
Kannst du deine Food-Styling-Ästhetik beschreiben?
Ich mag es, Mut und Eleganz mit ein paar punkigen, dekonstruierten Elementen auszubalancieren, dabei aber präzise zu bleiben. Der Kern meiner Arbeit entsteht oft aus Träumen und Erinnerungen, übersetzt in eine minimale Farbpalette, klare Formen und viel Negativraum. Ich versuche, unerwartete Elemente so zu kombinieren, dass es mühelos wirkt – wie im Surrealismus. Schwarz ist meine Signature-Farbe, dazu kommt eine feine Note schwarzen Humors und Ironie.
Was ist dein Guilty Pleasure?
Ich liebe Peanut Butter (am liebsten würde ich nur von einem Glas davon leben) und dunkle Schokolade. Käse und Naturwein sind ebenfalls Guilty Pleasures – wahrscheinlich einer der Gründe, warum ich Paris zu meiner Wahlheimat gemacht habe.
Was wäre deine absolute Traumkollaboration?
Ich würde wahnsinnig gern noch mehr mit Brands wie Saint Laurent, Maison Margiela und Balenciaga. An einem Projekt mit Demna zu arbeiten, wäre ebenfalls ein Traum – seine Kreativität ist für mich eine stetige Inspirationsquelle.
Wie siehst du die Beziehung zwischen Food und Fashion im kommenden Jahr?
Wir sehen bereits viele Marken, die Food in ihren Kampagnen einsetzen – der Überraschungseffekt ist also nicht mehr so groß. Ich würde mir noch mehr davon wünschen, aber nur, wenn es wirklich die Sprache der Marke spricht und organisch wirkt. Essen sollte nicht einfach nur auffallen, weil es essbar ist, sondern wegen der künstlerischen Qualität der Story. Genau hier kommen Food-Designer:innen ins Spiel – wie Chirurg:innen arbeiten sie mit Präzision und liefern maßgeschneiderte Ideen.
Fashion wird beim Thema Food immer experimenteller; fast jedes Haus entwickelt seine eigene Sprache dazu. Ich beobachte auch deutlich mehr Interesse an Drink-Pairings. Diese scheinbar „unvereinbare“ Obsession zwischen beiden Welten einzufangen, finde ich unglaublich spannend. Es würde mich nicht wundern, wenn wir auch auf dem Runway mehr Food sehen – spielerisch und interaktiv, wie das Eis bei Vivienne Westwoods Show 1994, Muglers Zigarette 1995 oder die ritualhaften McQueenShows – nur aus einer zeitgenössischen Perspektive. Mit dem Comeback der 90s-Referenzen wirkt das gar nicht mehr so fern.














