Berlin Fashion Week FW26: Alles, was du bisher wissen musst
Von Lou de Bètolys upgecycelter Lingerie bis zur SF1OG-x-Converse-Collab.
Berlin Fashion Week Herbst/Winter 2026 ist gerade einmal zur Hälfte vorbei, doch die Tonalität ist bereits glasklar. Bei Eiseskälte und in aufgeladenen Settings in der ganzen Stadt nutzen Designer die Bühne, um Fragen von Identität, Inklusion und Experimentierfreude radikal auszuloten. Von aufstrebenden Stimmen wie Laura Gerte und Vanessa Baernthol bis hin zu etablierten Namen wie GmbH, spiegeln die Kollektionen weiterhin jene Werte wider, für die Berlin steht: Freiheit, Vielfalt und furchtloses kreatives Risiko.
Ganz ihrem Ruf entsprechend bleibt die Stadt selbst das Herz des Programms. Die Schauen finden an unerwarteten Orten statt, in Formaten, die den klassischen Laufsteg aufbrechen – darunter Richert Beil’s kommende Präsentation, inszeniert als Hybrid aus Dinner und Performance.
Weiter unten: die spannendsten Shows und Kollektionen, die die Berlin Fashion Week bislang prägen.
Wenn du schon dabei bist, wirf auch einen Blick auf unser Recap der Copenhagen Fashion Week HW26.
Dead-Stock-Lingerie wurde bei Lou de Bètoly zur Couture
Die französische Designerin Lou de Bètoly kehrte zur BFW zurück, um ihre HW26-Kollektion im Rathaus Schöneberg, dem historischen Rathaus der Stadt, zu zeigen. Inspiriert von Flohmarktfunden wurden Vintage-Korsetterie, Strümpfe, Spitze, Strick und Leder zu klaren, reduzierten Silhouetten neu zusammengesetzt. Aus der Distanz blieb die Palette gedeckt in Schwarz, Rosé und Beige, doch aus der Nähe entpuppten sich die Stücke als dicht verarbeitete Kunstwerke mit gehäkelten Partien, floralen Konstruktionen, perlenverzierten Drapierungen und raffinierter Schnürung.
Ihre HW26-Entwürfe verfeinerten die bereits bekannten Distressed-Techniken, diesmal feiner, leichter und mit noch subtilerer Hand eingesetzt. Zu den eindrucksvollsten Details gehörten drei Looks mit upcycelten Metalletuis samt Henkel, die wie skulpturale Schmuck-Objekte um den Hals gehängt wurden. Ein klares Highlight: ein goldenes Kleid, vollständig aus vergoldetem Schmuck komponiert, bezogen vom Berliner Hatay Juwelier.
SF1OG entwirft mit der Paparazzi-Ära der 2000er im Hinterkopf
Eines ist sicher bei SF10G: Das Label weiß ganz genau, was es tut. Mehr noch, es hat ein glasklares, selbstbewusstes Verständnis davon, wer es ist. Die HW26-Show von SF1OG kanalisierte den Underground-Spirit Berlins mit Kleidung, die kompromisslos persönlich wirkte. Antike Leinen, gealterter Kaschmir, Leder und Samt wirkten aufgerieben, ausgefranst und unperfekt – mit der Intimität von Stücken, die unzählige Leben hinter sich haben.
Für die Recherche rückte der*die Designer:in Archivbilder der Paparazzi-Ära der 2000er in den Fokus – Aufnahmen von Amy Winehouse, Lindsay Lohan und Adam Sandler, die „Momente der Fragilität, Unperfektheit und Erschöpfung … Bilder, deren Betrachtung sich fast übergriffig anfühlt“, einfingen, wie es in der Pressemitteilung heißt. Wenn die HW25-Kollektion als frühe Umarmung des Indie-Sleaze-Revivals wirkte, ging es in HW26 darum, dieses Revival bewusst und souverän auszuspielen. Beim Schuhwerk setzte das Label seine Zusammenarbeit mit Converse fort und präsentierte einen neuen Chuck Taylor Lo.
Haderlump feierte das Leben und den Stil von Marlene Dietrich
Inspiriert von der deutsch-amerikanischen Schauspielerin Marlene Dietrich zeigte Haderlump seine HW26-Kollektion „VARIUS“ auf der Bühne des Wintergarten Varieté in Berlin – und die Kollektion saß einfach. 28 Looks, und keinen einzigen, den man nicht sofort tragen möchte. Bevor der Laufsteg eröffnet wurde, lauschten die 350 Gäste einer eigens komponierten Soundscape von John Carlsson.
Das Label setzte zum ersten Mal Spitze ein, kombiniert mit Leder, Denim und schwerer Wolle. Als Hommage an das Materialdebüt wurden Spitzenmotive zudem von Hand auf die Gesichter der Models gemalt. Die Silhouetten reichten von fließenden Roben bis hin zu präzise geschnittenen Hosen – inklusive Anspielungen auf Dietrichs ikonische Marlene-Hose.



















